Was, wenn ich dir sage, dass es jetzt wissenschaftlich untermauert ist, dass die BILD mit einer gezielten Framing-Kampagne die Debatte um das Heizgesetz manipuliert und damit massiven Schaden an unserer Gesellschaft angerichtet hat? BILD hat 2023 gelogen und die restliche Medienlandschaft hat brav alles unkritisch nachgeplappert. Das stützt jetzt eine Studie in einem Fachjournal: Eine neue Studie in Energy Research & Social Science von Forschern des Öko-Instituts und der Universität Oxford hat 333 BILD-Artikel ausgewertet – und zeichnet präzise nach, wie das rechte Boulevardblatt mit einem einzigen erfundenen Wort eines der wichtigsten Klimagesetze Deutschlands zerlegt hat. Und ja: Die Studie erwähnt auch, wie unsere Medien durch die Bank versagt haben, die Manipulation der BILD zu durchschauen. Nur zwei Medien hätten die Kampagne durchschaut und richtig darüber aufgeklärt. Rate mal, welches eines davon war. Aber dazu später mehr.
Ein Wort, das ein Gesetz zerstörte
Die Forscher um Carmen Loschke – mit dabei auch Oxford-Klimaforscher Jan Rosenow, der auch schon mal einen Gastbeitrag für Volksverpetzer verfasst hat – haben einen Korpus von 333 BILD-Artikeln aus dem Zeitraum Januar 2023 bis März 2024 analysiert. Ihr Befund: BILD hat die Novelle des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) mit drei rhetorischen Strategien systematisch verzerrt – Personalisierung, ökonomischer Alarmismus und ideologisches Framing.
Kurze Erinnerung für alle, bei denen die Kampagne leider ihr Ziel erreicht hat und die sich nur noch an „Habecks Heizungsgesetz" oder "Habeck reißt deine Heizung raus" erinnern: Das Gebäudeenergiegesetz ist gar kein Habeck-Gesetz. Falls du das hier und jetzt zum ersten Mal liest, dann beschwere dich bei der deutschen Medienlandschaft.
Das Gesetz ist am 1. November 2020 in Kraft getreten – beschlossen von Union und SPD unter Angela Merkel. Und schon dieses Gesetz regelte den Abschied von alten fossilen Heizungen: Kessel von vor 1991 durften gar nicht mehr betrieben werden, für jüngere galt eine Austauschpflicht nach 30 Jahren (§ 72 GEG). Und bereits in Merkels Klimapaket 2019 stand, dass „der Einbau von Ölheizungen ab 2026 nicht mehr gestattet" sein soll, wo klimafreundlichere Wärme möglich ist – so kam es ins GEG 2020. Erinnert sich irgendjemand an einen „Merkel-Hammer" auf der BILD-Titelseite? An eine „Heiz-Stasi"-Kampagne gegen die Union? Eben. Auch die Studie hält ausdrücklich fest, dass das GEG entgegen der verbreiteten Wahrnehmung kein neues Gesetz war, sondern ein Werk der Großen Koalition.
"Habecks Heizgesetz" war extrem harmlos
Es gab aber eine Reform dieses Gesetzes unter der Ampel. Und was geplant war, stand übrigens schon 2021 im Koalitionsvertrag fest. Die Novelle, die BILD dann zum Skandal machte, setzte im Kern nur um, was längst parteiübergreifend vereinbart war: Im Koalitionsvertrag 2021 stand – von der FDP mitunterschrieben – dass ab 2025 jede neu eingebaute Heizung mit 65 Prozent Erneuerbaren laufen soll. Nach Putins Angriff auf die Ukraine beschloss der Koalitionsausschuss im März 2022 im Entlastungspaket dann zusätzlich und einstimmig nur, diese Vorgabe auf den 1. Januar 2024 vorzuziehen – um schneller von russischem Gas loszukommen. Und was die Novelle übrigens nicht enthielt: ein Verbot von bestehenden Heizungen. Oder gar ein Verbot von bestimmten Technologien.
Keine einzige funktionierende Heizung musste raus, Reparaturen blieben erlaubt, und selbst der Entwurf sah ausdrücklich vor, dass Bestandsheizungen bis Ende 2044 fossil weiterlaufen dürfen. Die 65-Prozent-Vorgabe galt nur für neu eingebaute Heizungen – erfüllbar laut Konzept der Ministerien wahlweise per Wärmepumpe, Fernwärme, Hybridheizung usw. – auch für "Verbrennerheizungen", sofern sie die Vorgabe erfüllen würden. Ja, auch Wasserstoffheizungen. Das „Heizungsverbot", das laut Studie durch 800 Artikel nach der BILD-Kampagne geisterte, war komplett an den Haaren herbeigezogen. Skandalisiert wurde also entweder, was gar nicht im Gesetz stand – oder was Union oder FDP selbst schon beschlossen hatten. Wir hatten es hier sehr ausführlich aufgedröselt, wenn du die gesamte Chronologie der Lügen lesen willst.
Wie die BILD uns vorgeschrieben hat, was wir zu glauben haben
Du erinnerst dich vielleicht, dass das in den Medien ganz anders klang, als ich das hier gerade beschrieben habe. Aber ja, hier haben so ziemlich alle versagt. Denn die BILD hat ganz Deutschland mit schmutzigen Tricks hinters Licht geführt. Verkörpert wird diese Manipulation in einem einzigen Kampfbegriff: „Heizungshammer". Den hat BILD im Februar 2023 selbst geprägt, als sie einen geleakten Referentenentwurf auf ihrer Titelseite veröffentlichte. Die Zahlen aus der Studie sind krass:
- Allein im untersuchten BILD-Korpus taucht das Wort „Hammer" über 250 Mal auf, davon 228 Mal als „Heizungshammer" – plus Varianten wie „Energie-Hammer" oder „Wohn-Hammer".
- Robert Habeck wird in den 333 Artikeln 839 Mal genannt – im Schnitt mehr als zweimal pro Artikel. Häufiger als jedes andere Wort, häufiger als „Heizungsgesetz" (353) und „Wärmepumpe" (336) zusammen.
- Der von BILD erfundene Begriff sprang auf die restliche Presse über: 1.100 Artikel außerhalb der BILD übernahmen den „Heizungshammer" im Untersuchungszeitraum. Das erfundene „Heizungsverbot" schaffte es in 800 Artikel, das Framing des Gesetzes als „Ideologie" in 660, und die dadurch erzeugte „Verunsicherung" wurde in über 2.500 Artikeln verhandelt.
Ein Boulevardblatt erfindet ein Wort, das uns alle manipulieren soll – und über tausend Artikel anderer Medien plappern es nach, statt es zu hinterfragen. Das ist ein völliges Medienversagen. Die BILD – das vielleicht unseriöseste, skrupelloseste Blatt der Mainstream-Medien – gibt den angeblich seriösen Medien vor, wie sie zu berichten haben. BILD lügt und der Rest schreibt blind ab. Und das nicht nur beim GEG. Das passiert seit Jahren ständig.
Was die Studie bestätigt: Unsere gesamte Rekonstruktion der Kampagne
Noch mal, um deutlich zu machen, wie realitätsfern die Propaganda der BILD war: Der Gesetzentwurf, den BILD im Februar 2023 zum „Hammer" erklärte, lag in seinen Grundzügen seit Juli 2022 vor – inklusive Wasserstoff-Option, Hybridheizungen und Übergangsfristen. Die angeblich fehlende „Technologieoffenheit" stand von Anfang an drin. Die FDP hatte dem Vorhaben mehrfach zugestimmt und es gelobt, Lindner nannte es sogar „pragmatisch", er nannte es „echte Technologieoffenheit".
Erst als BILD die Kampagne hochfuhr, entdeckte die FDP plötzlich „101 Fragen" – die nachweislich nie gestellt worden waren, wie der STERN damals aufdeckte. Getrieben wurde die Wende in der FDP maßgeblich vom fossilen Lobbyisten und selbsterklärten „Klimaskeptiker" Frank Schäffler, dessen Verbindungen in die Klimaleugner-Szene wir hier dokumentiert haben.
Und nicht vergessen, wem die BILD gehört: dem Axel-Springer-Konzern von Mathias Döpfner, der seine Blätter nachweislich zur Wahlkampf-Beeinflussung einsetzt („Please stärke die FDP") und an dem damals der Private-Equity-Riese KKR beteiligt war – ein Konzern mit Investments in fossile Energien. Döpfner ist auch eng mit dem Faschisten Elon Musk vernetzt, der in Döpfners WELT zur Wahl der AfD aufrief.
Die Folgen: Das Framing wurde Politik
Und hier wird es wirklich bitter. Denn die Studie belegt nicht nur, dass BILD kampagnenhaft berichtete – sondern auch, dass diese Kampagne konkret die Gesetzgebung verändert hat. Die Forscher:innen zeichnen nach, wie die 65-Prozent-Erneuerbaren-Vorgabe Schritt für Schritt verwässert und schließlich faktisch aufgegeben wurde und wie der Backlash auch angrenzende Klimapolitik ausbremste.
Die Wirkung reichte laut Studie bis nach Brüssel: Als die EU-Kommission im Rahmen von RePowerEU schärfere Ökodesign-Anforderungen für Heizungen vorschlug, framte BILD das prompt als eine Art europäischen „Heizungshammer" – die EU-Kommission sah sich gezwungen, öffentlich klarzustellen, was in ihrem Vorschlag tatsächlich stand.
Die Studie lobt explizit Volksverpetzer
Die Forscher halten fest, dass nur sehr wenige Medien überhaupt in die tatsächlichen, eher moderaten Regelungen des Gesetzes eintauchten und die Kampagne gegen das Gesetz selbst zum Thema machten. Namentlich genannt werden dabei genau zwei: das Fachportal Klimareporter – und wir. An dieser Stelle auch eine Folgeempfehlung für die Kollegen!
Es bestätigt die Kernthese unserer Arbeit, die ich auch in meinem Buch beschreibe (genau übrigens wie den Einfluss der Fake News der BILD): Desinformation gewinnt nicht, weil sie besser ist, sondern weil sie gutes, emotionales Marketing und Story Telling nutzt. Und die Antwort darauf kann nicht sein, dass ein paar „Nischenmedien" – so nennt uns die Studie – allein dagegenhalten, während der Rest der Branche die Schlagzeilen der Fake-Verbreiter kopiert.
Wir freuen uns deshalb nicht, hier explizit gelobt zu werden – uns wäre es lieber, wenn der Rest der Medienlandschaft aus ihren Fehlern lernen könnte und aufhören würde, BILD-Kampagnen weiter zu verbreiten.
Und jetzt? Merz sitzt in der Falle, die BILD ihm gebaut hat
Aber die Geschichte ist nicht 2023 zu Ende gegangen. Sie erlebt gerade, in genau dieser Woche, ihr absurdes, vorübergehendes Finale. Denn die Parteien, die auf die BILD-Kampagne aufsprangen – vor allem die Union – sind jetzt teilweise in Regierungsverantwortung. Und scheitern daran. Der Boomerang davon, wenn man Wahlkampf mit Desinformation macht.
Die Union hat den Bundestagswahlkampf mit dem Versprechen bestritten, „Habecks Heizgesetz" abzuschaffen – so steht es auch im Koalitionsvertrag. Das Problem: So etwas gibt es ja nicht. Was will man eigentlich abschaffen? Die Regierung muss liefern, aber weiß jetzt selbst nicht, was eigentlich. Wirtschaftsministerin Reiche log dafür sogar über einen „Wärmepumpenzwang", den es nie gab – wir haben es hier dokumentiert. Und Kanzler Merz verkündete im Dezember 2025 wörtlich: „Das sogenannte Heizungsgesetz wird abgeschafft, es wird künftig Gebäudemodernisierungsgesetz heißen." Ja, es hieß nie "Heizungsgesetz" – und Merz muss verzweifelt irgendetwas finden, was er als Erfüllung des Wahlversprechens verkaufen kann.
Wie will man ein Wahlversprechen einhalten, das auf Lügen basiert?
Und dann begann das Elend. Seit über einem Jahr müht sich die Regierung Merz nun ab, ihr Wahlversprechen, das auf Lügen basiert, irgendwie einzulösen: Reiche kündigte die Rücknahme der (nicht existenten) „Technologieverbote" schon im Mai 2025 an – obwohl schon damals unklar war, welche Verbote sie eigentlich meint.
Die Eckpunkte kamen erst Ende Februar 2026, der Kabinettsbeschluss verschob sich mehrfach – die Koalition zerstritt sich ausgerechnet an der Frage, ob nach 2044 noch fossil geheizt werden darf. Was nie der zentrale Teil von Habecks Novelle war. In der Sachverständigenanhörung im Juni zerlegten die Experten den Entwurf: bürokratische Überlastung, soziale Risiken für Verbraucher, verfassungsrechtliche Bedenken. Ein n-tv-Kommentar bringt es im Titel auf den Punkt: „Die Farce ums schwarz-rote Heizungsgesetz ist perfekt."
Warum ist das so schwer? Weil das Wahlversprechen auf einer Lüge beruhte. Das Gesetz, das sie abschaffen wollen, war nie das Monster, zu dem BILD es gemacht hat. Es war ein handwerklich normales Klimagesetz, das Deutschland braucht, um seine rechtlich bindenden Klimaziele zu erreichen. Man kann es nicht einfach streichen, ohne die Klimaziele einzureißen – gegen das eigene Klimaschutzgesetz und gegen EU-Recht. Also muss die Koalition die Substanz behalten und darf nur die Verpackung wechseln. Ein Etikettenschwindel mit Ansage.
Fossilverbot ab 2045 wird gestrichen, dafür kommt Fossilverbot ab 2045
Wie verzweifelt dieser Spagat aussieht, zeigt der Änderungsantrag, den der Wirtschaftsausschuss am Mittwoch beschlossen hat. Da wird einerseits die Regelung gestrichen, wonach ab 2045 keine Heizkessel mehr mit fossilen Brennstoffen betrieben werden dürfen. Der „Heizungshammer" ist weg, Versprechen erfüllt... oder? Denn andererseits steht im selben Beschluss wörtlich: In einem bis zum 1. Dezember 2026 vorzulegenden Gesetz wird eine „Grüngas-/Grünheizölquote" eingeführt, die die Inverkehrbringer von Gas, Öl und Flüssiggas verpflichtet, die Brennstoffe „ab dem Jahr 2045 vollständig auf klimaneutrale Brennstoffe umzustellen" – begründet, man höre, „um den angemessenen Beitrag des Gebäudesektors zur Einhaltung der Ziele nach § 3 Absatz 2 des Klimaschutzgesetzes sicherzustellen".
Noch mal langsam: Sie streichen das Verbot, ab 2045 fossil zu heizen. Und ersetzen es durch die Pflicht, ab 2045 zu 100 Prozent klimaneutral zu heizen. Ein Gesetz, das ein Gesetz ankündigt, das das tut, was das gestrichene Gesetz tat. Hat die BILD ja viel erreicht. Aber es wurde natürlich verschlimmbessert: Dazu kommt ab 2029 eine „Biotreppe" laut Entwurf: Wer eine neue Gas- oder Ölheizung einbaut, muss steigende Anteile Biogas oder Bioöl nutzen – die neue „Freiheit" zur Gasheizung ist also eine Kostenfalle mit Ansage, zeigt auch eine Studie, denn woher die Mengen an Biogas kommen sollen und was sie kosten, kann die Regierung selbst nicht beantworten. Grünen-Energiepolitiker Michael Kellner kommentierte trocken: „Union und SPD zögern, ihr eigenes Gesetz umzusetzen."
Selbst der Zeitplan geriet zur Zitterpartie: Die Linksfraktion zog vor das Bundesverfassungsgericht, weil die Koalition das Gesetz ohne Berechnungen zur Klimawirkung vor der Sommerpause durchpeitschen wollte – eine bittere Spiegelung von 2023, als das Verfassungsgericht auf Antrag eines CDU-Abgeordneten die Ampel stoppte. Karlsruhe hat den Eilantrag der Linken aber als unzulässig verworfen, der Weg für die Abstimmung ist frei. Das ist aber ein Pyhrrus-Sieg für diese Regierung. Denn der ganze Entwurf ist eine Blamage.
Was wir daraus lernen müssen
Die „Heizungshammer"-Kampagne war ebenfalls eine Blamage für den deutschen Journalismus. Die Studie zeigt, wie ein Fake-News-Medium ein Framing erfindet, es auf einen politischen Gegner personalisiert, und Falschbehauptungen zur Panikmache verbreitet – und der Rest der Medienlandschaft trägt es ungeprüft weiter, bis das Framing zuerst die Regierungskoalition in die Krise stürzt, dann sprengt und die nächste Regierung mit der Desinformation eine Politik machen will, die nicht möglich ist, weil ihre Versprechen nicht auf der Realität fußen.
Und die Regierung Merz führt uns gerade in Echtzeit vor, was dabei rauskommt: Politik, die auf Desinformation gebaut ist, kann nicht regieren. Wenn man dann liefern muss, steht man vor der Realität – vor Klimazielen, vor EU-Recht, vor Physik. Also schafft man ein Gesetz ab, indem man es umbenennt, streicht ein Verbot, indem man es zur Quote macht, und kündigt ein Gesetz an, das das alte Gesetz ersetzt, indem es dasselbe vorschreibt. Mit ein paar Verschlechterungen. Zwei Jahre Kampagne, eine gesprengte Ampel, eine gestärkte AfD, Millionen verunsicherte Menschen – für eine Umbenennung eines Gesetzes.
Hoffen wir, dass unsere Medien endlich dazu lernen und sich nicht immer und immer wieder vor den Karren rechter Kampagnen spannen lassen. Damit man die Fakten überall liest. Und nicht nur bei Volksverpetzer oder in ein paar Studien drei Jahre später.
Teile des Artikels wurden mit maschineller Hilfe erstellt. Wie Volksverpetzer KI verwendet.










