„Einen echten islamistischen Terroranschlag haben wir in Deutschland definitiv noch nicht gehabt.“

Das ist eine Aussage von André Schulz, dem Bundesvorsitzenden des BDK (Bund deutscher Kriminalbeamter). Es ist echt schade, dass solche Aussagen nicht zur Prime Time im Fernsehen gesendet werden, sondern nur in Eigenproduktionen von unabhängigen Journalisten wie von Tilo Jung vorkommen.

Andre Schulz (BDK)
Andre Schulz (BDK)

Denn natürlich ist es kein Terroranschlag, wenn ein Einzeltäter durchdreht und seinen Feldzug dem Islam widmet, in der Hoffnung, dann wenigstens im Jenseits vertraglich fest zugesicherten Kontakt zu Jungfrauen aufnehmen zu dürfen und endlich die ersten Sexerfahrungen zu sammeln. Das ist einfach nur erbärmlich und wird, solange es Menschen gibt, quer durch alle Religionen und Kulturen immer wieder geschehen.

Laut Schulz geht ein Anschlag von einer terroristischen Gruppierung aus, die professionell organisiert ist und das Ganze dementsprechend ausführen kann. Die Umschreibung passt für mich eher auf so manche Redaktionsstube, die seit Monaten nur noch damit beschäftigt ist, Menschen mit Halbwahrheiten und Lügen gegeneinander aufzuhetzen und ganze Länder in möglichst akute Panik zu versetzen.

Und das in einem Staat, wo noch jeder Terroranschlag bereits im Vorfeld vereitelt wurde. Weil die Zusammenarbeit der Länder klappt, weil die Beamten perfekt ausgebildet sind, weil auch noch dem kleinsten Verdacht penibel nachgegangen wird, weil die Überwachung der einschlägigen Szene funktioniert, und weil in diesem Land einfach ein unglaublich beruhigendes Sicherheitsniveau herrscht. Darüber wird aber nicht berichtet, darüber verliert kein Innenminister ein Wort, und irgendeine Art von Lob für die Ermittlungsbehörden schafft es niemals in die Tagesschau.

Da hängt man sich lieber über Tage daran auf, dass ein Terroranschlag geplant wurde und das jederzeit wieder passieren kann. Viel mehr Gänsehautmomente als ein Fokus auf die erfolgreiche Verhinderung. Einzeltäter werden in die krudesten Zusammenhänge gebracht und aufgebauscht. Viel mehr Thrill als die Erwähnung, dass Menschen schon seit der Steinzeit austicken, man so etwas deshalb auch höchstens eindämmen kann, und dass diese Eindämmung hierzulande durchaus zufriedenstellend durchgezogen wird. Politiker weisen nicht auf den erfolgreichen Zugriff hin, sondern stellen schwammig in den Raum, dass die Bevölkerung die grausamen Hintergründe nicht verkraften würde und man deshalb lieber schweigt. Viel mehr Kaufinteresse bei der Veröffentlichung der eigenen Memoiren, sogar der Buchtitel „Diese Biografie wird sie verunsichern“ hängt schon greifbar in der Schwebe.

Und das Allerschlimmste an der ganzen Situation: Weil hier noch nichts passiert ist, weil die Behörden einen Superjob machen und weil wir uns unglaublich sicher fühlen können, wird jetzt vorgeschlagen, Bürgerrechte noch massiver einzukassieren, die Überwachung zu verschärfen, noch mehr Unschuldige unter Generalsverdacht zu stellen und einfach wieder ein Stückchen näher an die USA in Sachen George-Orwell-Szenario zu rücken. Es ist echt nur noch zum Kotzen.


– Text: Jens Grote, Bildquelle: BDK, CC BY-SA 3.0 DE

 


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