Sich über Stierkämpfe aufregen, aber Fleisch kaufen…

Jens Grote stört die allgemeine Empörung über Stierkämpfe, die derzeit wieder die Runde macht, während die meisten der Empörten täglich mehrfach selbst Tierquälerei in Auftrag geben.StierkampfAuf den Färöer Inseln werden zig Wale an die Küste getrieben, dort brutal abgeschlachtet und viele Einwohner machen aus dem Event ein alljährliches Volksfest.

In Spanien werden traditionell Stiere gequält und getötet, indem sie durch Straßen getrieben oder in Arenen chancenlos abgestochen werden.

Wenn diese Ereignisse hin und wieder öffentlich gemacht werden, bricht ein Sturm der Entrüstung aus, nur um so das vielleicht Widerlichste aller Spektakel ans Tageslicht zu bringen.

Denn die meisten Menschen, die sich über die unnötige Tötung von Walen echauffieren, haben ganz selbstverständlich Fisch auf ihrem Speiseplan und sorgen so dafür, dass andere Meeresbewohner brutal an Land getrieben und getötet werden. Das nehmen sie nicht mal ansatzweise empört auf, sondern halten es sogar für selbstverständlich.

Und viele Menschen, die den Stierkampf als unnötige Quälerei ansehen, kaufen sich dreimal die Woche Kuhleiche, halten das für die normalste Sache der Welt, und wollen dabei nichts über unvermeidbare Quälereien und die inzwischen bewiesene Unnötigkeit hören.

Das ist tatsächlich der widerlichste Charakterzug bei den meisten Menschen. Sie sind nur solange gegen Tierquälerei, bis sie selbst davon profitieren. Sobald sie das tun, ist das große Töten angesagt und sie ziehen sich auf ekelhafte Positionen wie Geschmack oder Legalität zurück.

Aber wehe, ein Nachbar bringt ein Tier um und gibt ihnen nichts vom Kadaver ab. Dann ist Entrüstung angesagt und der große Tierfreund inside bricht sich Bahn. Schade, dass diese Empörung immer nur vor dem Fernseher auftritt. An jeder beliebigen Kühltheke würde sie bedeutend mehr bringen und müsste auch nicht so wirkungslos verpuffen. Zumindest wenn man danach verschämt und tief berührt endlich die eigene perverse Blutspur einschränkt, die sich nur in der Opferart zu der auf den Färöer Inseln oder in spanischen Stierkampfarenen unterscheidet.


– Text: Jens Grote


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