Ich hasse es, dass nur Anschläge von Moslems in den Medien breit getreten werden

Ich habe es sowas von satt, dass ich mich bei jeder Meldung von einem Anschlag, Angriff oder einer Vergewaltigung zuerst fragen muss, ob es sich beim Täter um einen Moslem handelt. Denn abgesehen davon, dass das für die Opfer und ihre Angehörigen überhaupt gar keine Rolle spielt, muss durch diese Berichterstattung zwangsläufig der Eindruck entstehen, dass ein Großteil aller Verbrechen von Muslimen begangen werden, die meisten Moslems eine Gefahr darstellen und dass die Terrorgefahr größer ist als jemals zuvor. Und nichts davon entspricht der Wahrheit.Würzburg HbfDer IS freut sich, die Presse freut sich, die Eine-Frechheit-uns-gleich-als-Rassisten-zu-bezeichnen-Rassisten des Landes freuen sich, weil ein Verrückter gestern mit einer Axt durch einen Zug Amok gelaufen ist. Der Grund zur Freude ist nämlich: Es war ein Moslem und ein Flüchtling! Perfekt! Etwas, dass sich nahtlos in die Narrative unserer Zeit einfügen lässt. Einer Zeit, in der Moslem gleichbedeutend mit Islamist ist und gleichbedeutend mit Flüchtling. Das alles verschwimmt zu einem diffusen Feindbild, gegen das man leicht mobil machen kann. Und jede ausgedachte Vergewaltigung, jeder Anschlag und jeder Angriff wird, egal, wie im Einzelfall die Tatsachen und bestätigten Fakten aussehen, von diesen drei Gruppen sich gleichermaßen zu Nutze gemacht.

Die Medien, der IS und die neue Rechte in Deutschland arbeiten alle zusammen in einem teuflischen Zyklus aus Vorurteilen: Die Narrative des gefährlichen Moslems verkauft sich gut und gibt Klicks und die ständige journalistische Frequentierung des Themas bestätigt die „erfühlte“ Wahrheit jedes Mal auf’s Neue: Der Moslem/Flüchtling kommt in „unser“ Land, raubt, plündert, mordet und vergewaltigt und wir machen nichts dagegen.

Wer was anderes sagt, muss wohl naiv sein oder dumm. Denn: Guckt ihr kein Fernsehen? Alle paar Wochen wieder eine Bombe, Dschihadisten mit AKs, ein LKW in eine Menschenmenge, ein Typ mit Messer im Zug. Und wie kann man diesen Eindruck auch nicht bekommen, wenn immer wieder die gleiche Geschichte mit austauschbaren Orten und austauschbaren Opfern, aber immer den gleichen Tätern auf allen Kanälen zu sehen ist?

Immer die gleiche, falsche Geschichte

Ich fühle mich dazu gedrängt, es jedes Mal auf’s Neue zu wiederholen. Hier und hier und hier. Die Terroristen von Paris waren größtenteils Franzosen. Die Terroristen aus Brüssel Belgier. Aber wir verdächtigen Syrer? Ja, sie waren auch Moslems. Aber dein Dönermann wird sich auch nicht demnächst in die Luft sprengen. Oder wer hat alle Christen für die Anschläge eines Anders Breivik verantwortlich gemacht?

5000 Europäer sind zum IS gegangen, und einige mehr sind natürlich gefährdet, sich durch Islamismus radikalisieren zu lassen. Der IS muss keine Terroristen nach Europa einschleusen und erst Recht nicht als Flüchtlinge. (So gesehen bescheren wir dem Nahem Osten tausende Terroristen, nicht umgekehrt) Die Vermutung, dass wir uns mit den Flüchtlingen Terroristen ins Land holen, ist, wenn auch für viele scheinbar plausibel, völlig falsch.

Auch wenn ihr etwas anderes von Hetzern gehört haben mögt: Es ist noch kein einziger Flüchtling bestätigt, der ein getarnter IS-Kämpfer ist. Selbst wenn es welche gäbe, ist das sowieso belanglos bei Millionen Menschen, die hierher fliehen. Es behauptet ja keiner, dass das alles nette, brave Menschen sind. Da sind sicher ein paar Arschlöcher dabei. Aber deswegen  können wir doch nicht alle aussperren. Ich bezeichne auch nicht alle Dresdner als Vollidioten, nur weil da ein paar Intelligenzallergiker jeden Montag ihre Sturheit zur Schau stellen müssen. Diese sind sogar weit in der Minderheit.

Aber alle tatsächlichen, islamistischen Terroristen (Stand 30.03) waren den Behörden zuvor bekannt, wie Sascha Lobo recherchiert hat:

Sascha LoboEs ist nicht so, als werde der nette Flüchtling aus dem Asylbewerberheim nebenan plötzlich zum IS-Kämpfer. Es ist eine Frechheit zu behaupten, Flüchtlinge hätten etwas damit zu tun. Das ist so, als würde ich behaupten, es wäre jeder, der aus einem brennenden Haus flieht, ein Brandstifter. Wie ich hier bereits ausführlich erklärt habe, haben die Flüchtenden muslimischen Glauben nichts mit dem IS am Hut. Das sind die Menschen, die (unter anderem) vor dem IS fliehen. Und wer Stimmung gegen Flüchtende macht, spielt dem IS in die Hände. Denn die wollen, dass wir Flüchtlinge hassen. (Mehr zum Thema)

Die AfD freut sich, wenn Menschen bei einem islamistischen Anschlag um’s Leben kommen. Denn dann kriegen sie mehr Wählerstimmen. Du findest, das ist eine gemeine Unterstellung? „Willkommen im Club!“ sagen die Flüchtlinge da.

Wenn wir hier tausende Flüchtlingsheime anzünden, freut sich der Dschihadist. Dann haben diese gewonnen. Die AfD und unsere Presse arbeitet mit den Terroristen zusammen. Wenn wir gegen unschuldige Flüchtlinge und unsere muslimischen Mitbürger hetzen, dann bekämpfen wir nicht den Terror, dann verursachen wir ihn mit.

Wir zimmern uns ein Feindbild, das wir bald nicht mehr widerlegen können

Und wisst ihr was? Teile des Textes oben habe ich aus älteren Artikel genau so herauskopieren können. Nach jedem Anschlag, nach jeder medial breitgetretenen Katastrophe beginnt immer wieder die gleiche Debatte und jedes Mal sehen sich die Rassisten noch mehr bestätigt. Und ich kann hier noch so viel vor mich hintippen, die meisten dieser Leute werden es sowieso nicht lesen. Und selbst wenn, mich für einen weltfremden, linken Naivling halten, weil ich .. keine Ahnung was sie denken, dass ich will.

Natürlich bekennt sich der IS zu jedem Möglichen Scheiß. Wenn sie es nur halbwegs glaubwürdig machen könnten, würden sie sich auch zum schlechten Wetter und dem Ausscheiden der Deutschen Fußballnationalmannschaft bei der EM bekennen. Das ist kostenlose PR, die wir ihnen nur zu gerne liefern. Unsere Medien gruseln sich gerne vor dem islamistischen Terroristen und der IS hat eine Werbekampagne, für die er nichts tun musste. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen diese Geschichte glauben. Mit den tatsächlichen Verhältnissen macht man keinen Umsatz in der Presselandschaft.

Aber nach Angaben von Europol begingen muslimische Täter zwischen 2009 bis 2013 weniger als zwei Prozent der Terroranschläge in der EU.

Der Prozentsatz ist geringer als der muslimische Bevölkerungsanteil in der EU von 6% oder 7%! Terror in Europa In den USA starben nach dem 11. September nur 37 von 190.000 bei Anschlägen getöteten Menschen durch Islamisten. Auch ist die Gesamtzahl an Terroranschlägen in Europa zurückgegangen. Wir sind viel sicherer als in den Jahrzehnten zuvor, auch wenn die Medien etwas anderes implizieren. Wir hören so selten von anderen Anschlägen, wenn kein Moslem beteiligt war. Klingt unglaubwürdig, dass es so viele gewesen sein sollten? Das ist genau mein Punkt!

Und ich bin noch nicht einmal auf die geopolitischen Ursachen von Terror (Wirtschaftliche Ausbeutung, Waffenexporte), seiner schwammigen Bedeutung, der Kriegssituation im Nahen Osten oder den tatsächlich fast täglich in Deutschland stattfindenden Anschlägen (von Rechtsextremen) eingegangen. Letztes Jahr gab es 22.000 Unfalltote, jeden Tag geschieht ein Mord und es wurden pro 100.000 Einwohner 8,6 Menschen im letzten Jahr vergewaltigt (6.900 Insgesamt also).  (Alles: http://de.statista.com/)

Aber Dinge, die ständig passieren, sind keine Nachrichten, sondern Alltag. Was in den Nachrichten kommt sind die Ausnahmen, deswegen sollten wir uns gefälligst davor hüten, menschenverachtende Politik zu betreiben, weil unsere Medien sich durch das Bedienen eines sich etablierten Feindbildes mehr Umsatz erhoffen. Die ++Eilmeldungen++ und der Sensationsreport, das wollen die Leute hören. Und sie wollen hören, dass „die anderen“ Schuld sind. Sie wollen nicht die komplexen, sozio-ökonomischen Zusammenhänge, die psychischen Probleme, die Leidengeschichte der Täter hören, die sie sie nicht mehr als simplifizierend böse darstellen lässt, sondern sie wollen Hass! Ein einfaches Weltbild, Gut und Böse, leicht erklärt.

Und ich hab es auch so satt, denn das Problem ist viel komplexer und schwieriger als das. Berichte von solchen Geschehnissen wie letzter Nacht sollten warten, bis alle Fakten und Umstände geklärt wären, bevor alle Seiten gleich daher kommen, um Kapital daraus zu schlagen, bevor irgendetwas fest steht. Wir brauchen die Umstände, die Zusammenhänge und vor allem: Das größere Bild. Die Politiker, die Hetzer, die Medien. Ich kann langsam nicht mehr. Es wird immer normaler, es wird immer selbstverständlicher zu sagen: „Die gehören hier nicht her.“, „Denen liegt die Gewalt im Blut“, „Raus mit dem Pack!“
Ich lese das immer mehr, ich lese das immer öfter. Und die Opposition zu diesen Aussagen wird immer kleiner. Weil sie immer schwächer wirkt anhand der „Tatsachen“, der Medienberichte. Weil nie der Kontext dazu geliefert wird. Natürlich kommen die Hundertausenden Flüchtlinge, die in keinster Weise straffällig geworden sind, nicht in die Medien. Wofür auch? Dafür, dass sie sich verhalten wie normale Menschen, die sie auch sind. Unser ganzes Land, der ganze Kontinent verfällt immer weiter in eine selektive Wahrnehmungsstörung. Und ich kann dabei nur zugucken. Ich weiß nicht weiter.

Das ist ein Hilfeschrei, den wahrscheinlich sowieso niemand mitkriegen wird. Wohin soll das alles denn führen?


– Text: Thomas Laschyk


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