Der Glaube eines Täters ist solange irrelevant, bis es sich um einen Moslem handelt

In Orlando läuft ein homophober Idiot Amok und tötet 50 Menschen in einem Nachtclub. Fast noch schlimmer als diese Bluttat ist aber mal wieder das Verhalten der internationalen Presse. Bisher habe ich noch keinen Bericht konsumieren dürfen, in dem sich nicht über den Vornamen des Menschenfeinds das Maul zerrissen wurde und aufgrund dieses Taufergebnisses rein spekulative Verbindungen zu einer Religion hergestellt werden mussten.Amoklauf 2In Orlando läuft ein homophober Idiot Amok und tötet 50 Menschen in einem Nachtclub. Fast noch schlimmer als diese Bluttat ist aber mal wieder das Verhalten der internationalen Presse, obwohl mir diese Pauschalisierung gar nicht zusteht, da ich hierzulande nur der deutschen Variante ausgesetzt bin. Dieses journalistische Eiterekzem ist aber mehr als widerwärtig, denn bisher habe ich noch keinen Bericht konsumieren dürfen, in dem sich nicht über den Vornamen des Menschenfeinds das Maul zerrissen wurde und aufgrund dieses Taufergebnisses rein spekulative Verbindungen zu einer Religion hergestellt werden mussten.

Warum interessiert es überhaupt irgendjemanden ernsthaft, ob der Metzger Muslim war? Und wieso wird dieses Interesse nur vorausgesetzt, wenn der Täter den Islam für sich entdeckt hat oder auch nur der Verdacht auf diese Orientierung besteht? Schlagzeilen ala „Katholik zündet Flüchtlingsheim an“, „Evangele veranstaltet tödliches Straßenrennen“ oder „Atheist tötet drei Menschen bei einem Bankraub“ wird es in der einheimischen Presselandschaft nie geben. Sollte aber ein Muslim eines dieser drei Verbrechen begehen, dann kann man sich darauf verlassen, dass der Hinweis darauf spätestens in der dritten Zeile kommt.

Natürlich funktioniert das auch nur bei negativen Schlagzeilen. Wenn Özil die deutsche Nationalmannschaft zum Sieg schießt, wird man vergeblich auf Meldungen à la „Muslim macht Deutschland zum Europameister“ warten. Wenn ein muslimischer Feuerwehrmann Menschen aus einem brennenden Haus rettet, wird seine Religion nicht mal im Nebensatz erwähnt. Erfindet ein Moslem etwas Bahnbrechendes, dann ist er ein genialer Tüftler, dessen Religion keinen Gedanken wert ist. Aber wehe, ein Muslim füchelt oder erfindet die neue Atombombe. Dann wird sein Glaube direkt in der Überschrift so fett wie möglich erwähnt. Und womöglich gibt es auch eine Notiz im Nebensatz, dass Özil kein Christ ist, wenn er denn den entscheidenden Elfmeter versemmeln sollte.

Das ist wirklich so billig. Und wird dummerweise nicht von irgendwelchen AfD- oder NPD-Knallchargen vorgetragen, die sowieso niemand ernst nimmt, sondern dient als Tenor einer fast kompletten Presselandschaft. Was der ganzen Sache eine unglaubliche Brisanz gibt. Es wird hundertmal darauf hingewiesen, dass noch nicht bekannt ist, ob der Täter homophob war und sich deshalb einen homosexuellen Club ausgesucht hat. Obwohl das für jeden auf der Hand liegt, aber man will ja nicht die anderen, ach so friedliebenden Homophoben vorverurteilen. Aber das der Kerl Moslem war, das muss unbedingt schon weiterverbreitet werden, bevor es offiziell bestätigt wird. Und kommt diese Bestätigung, dann muss man gleich Artikel Marke „War ja klar“ in die eigenen Gazetten kotzen.

Als bitteres Fazit bleibt da nur, dass ein homophobes Arschloch 50 Leben auf dem Gewissen hat, und tausende von latent muslimfeindlichen Arschlöchern diese Tat durch ihre Hetze so dramatisch wie genüßlich zum Eskalieren bringen. Was wäre ich froh über eine Lügenpresse, denn diese Geschmacksrichtung wirkt so niedlich gegen die Variante, die hier tagtäglich ihr gruseliges Antlitz erhebt und bewusst und zu jeder Gelegenheit Stimmung gegen die Feindbilder des Monats macht. Und sogar bestimmt, wer sich dafür überhaupt erst qualifiziert.


Text: Jens Grote

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