Ein Asylbewerber randaliert in einem Heim. Na, und?

Da ich gerade zum vierten Mal langschweifig in einem Kommentarbereich das Thema erörtern musste, möchte ich jetzt doch mal eine offizielle Zusammenfassung öffentlich stellen. Schon allein aus Faulheitsgründen, denn auf die Weise habe ich etwas, das ich zukünftig kopieren und einfügen kann, anscheinend entwickelt sich die Artikelquelle ja gerade zu einer viralen Pest. Also präsentiere ich thematisch bedingt ohne jeden Stolz meine Top-Malguckenwielangeswird-Gründe, warum ich keinen Schaum vor dem Mund entwickele, wenn mir via Boulevardpresse mitgeteilt wird, dass ein Asylbewerber in einem Heim randaliert hat.Rassismus1. Gerade zu Zeiten der EM erlebe ich es an jedem Spieltag, wie Menschen randalieren. Egal ob sie vor Begeisterung Feuerwerkskörper starten, oder mitten in der Nacht hupend durch Wohngebiete fahren, oder frustriert irgendwelche Stadtbilder neu organisieren, eines steht dabei fest: Am nächsten Tag wird man vergeblich den Leitartikel „Malerlehring wirft im Biergarten unbeteiligten Stuhl durch die Gegend, weil sein Team zu doof zum Tore schießen war“ in der Presse suchen. Einfach weil die tägliche Randale keinen Aufhänger wert ist, es sei denn, sie findet in einem Flüchtlingsheim statt.

2. Verliert ein einziger Asylbewerber die Nerven, dann ist das eine großartige Quote, wenn man es danach tatsächlich darauf anlegt, den Zoomfaktor hochzufahren und von „den“ Flüchtlingen zu sprechen. Wer so etwas also geifernd teilt und verallgemeinern möchte, erweist sich definitiv einen Bärendienst, zeigt er auf die Weise doch nur, was für ein bewunderswert verschwindend geringer Bruchteil der fremden Menschen in Not handgreiflich Frust ablässt.

3. Wenn man mich zusammen mit 40 Mitbürgern im Ausland in einem Haus einsperren würde, mir gleichzeitig jede Chance nimmt, daran kurzfristig etwas zu ändern, mir keinerlei Zukunftsperspektiven einräumt, und mich auch noch mit dem Hass von einheimischen Nachbarn alleine lässt, dann würde ich nach einer gewissen Zeit sicher allein schon wegen meines exzessiven Wrestlingkonsums zum Stadtgespräch mutieren, da ich auf die eine oder andere Situation überempfindlich mit Sharpshootern und F5s reagieren würde. In dieser Lage bewundere ich deshalb jeden, der nicht durchdreht, und habe durchaus Verständnis für Menschen, die das tun.

4. Wenn ich meine deutschen Mitbürgern nach den Taten von gewissen Inhabern der gleichen Nationalität beurteilen würde, dann müsste ich die Bewohner dieses Landes in sehr düsteren Farben zeichnen. So eine Verallgemeinerung ist aber zum Glück immer Blödsinn, egal ob es sich um Einheimische oder Ausländer handelt. Schon gar nicht ist sie anhand eines bürokratischen Status wie „Asylbewerber“ angesagt.

Und im Bonusteil gebe ich auch noch gleich den Erklärbären bezüglich der Frage, wieso es nicht angehen kann, randalierende Menschen in ein diffuses Zuhause zurückzuschicken. Here we go:

1. Dieses Zuhause gibt es in den meisten Fällen nicht mehr, da es zerbombt wurde, nie vorhanden war oder notgedrungen vor der Flucht aufgegeben wurde. Da gibt es also nichts mehr außer dem Übergangsheim in hiesigen Regionen, in das man diese Menschen abschieben könnte.

2. Die Strafe auf Randale wurde im deutschen Recht bereits festgezurrt. Und nein, die lautet nicht „Abwurf über der Wüste Gobi“. Solange wir also urdeutsche Randalierer zu Geldstrafen verurteilen, sie in den Knast schicken, oder sogar frei lassen, sofern sie schlüssig eine rechtsradikale Gesinnung beweisen können, ist dieser Maßnahmenkatalog auch bei ausländischen Tätern anzuwenden. Alles andere würde dazu führen, dass Justitia nicht blind ist und individuell Gesetze interpretiert. Und wenn das der Fall ist, war es das mit dem Rechtsstaat.

Danke für die Aufmerksamkeit.


– Text: Jens Grote


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