Der Tortenwurf auf Wagenknecht ist albern, aber seine Hintergründe sollten nicht totgeschwiegen werden

Jens Grote findet den Umgang der LINKEN mit dem Tortenwurf auf Sarah Wagenknecht doof. Denn auch wenn so ein Tortenwurf kein adäquates Diskussionmittel darstellt, so sollte sich die Partei doch mit den dahinterstehenden Vorwürfen auseinandersetzen.

WagenknechtAn dem Tortenwurf gegen Sahra Wagenknecht auf dem Parteitag der Linken ist alles doof.

Beatrix-von-Storch-Vergleiche der Verantwortlichen => doof

Plötzliche Verurteilung der Aktion gegen Storch => doof

Unreflektierte Solidarität innerhalb der Partei => doof

Medienreaktionen allgemein für die Linke => doof

Medienreaktionen allgemein gegen die Linke => doof

Dabei hätte ich mir so gewünscht, dass gerade „meine“ Partei da etwas anders reagiert. Aber leider lief das alles nach Schema F. Wagenknecht bekommt eine Torte ins Gesicht, alles schreit nach Anzeige und zeigt Empörung, und die wirklich widerlichen Verbalaussetzer, wegen denen die Frau das Ding spendiert bekommen hat, sind nicht mal Diskussionsthema. Traurig.

Jede größere Partei braucht einen rechten Flügel, und ich bin wirklich froh, dass dieses fiese Ding bei den Linken so gemäßigt ausfällt. Aber warum so eine Institution, die sich sogar sehr klar nach einer politischen Richtung benannt hat, sich solidarisch hinter einem Parteimitglied versammelt, das in letzter Zeit seltsame Rülpser über Obergrenzen, Abschiebungspauschalen und richtigen AfD-Programmen loslässt, verstehe ich nicht mal ansatzweise. Für mich sieht das sehr stark danach aus, dass auch die Linke den Wutbürger für sich entdeckt hat und nun bewusst Politiker vorschiebt, damit die durch schräge, pegida-genehme Aussagen in diesem Revier auf Wählerstimmenfang gehen.

Das ist in meinen Augen schon ekelig genug, aber wenn gleichzeitig nicht eine Kontra-Stimme zugelassen wird, die den Tortenwurf gerne albern finden darf, aber die Hintergründe akzeptiert und selber als diskussionswürdig herausstreicht, dann fühle ich mich schon wieder um eine politische Heimat gebracht. Und dann darf man diesen Wurf auch gerne als „Akt gegen die gesamte Partei und ihr Programm“ bezeichnen. Das hielt ich im ersten Moment für übertrieben, aber die Welle der uneingeschränkten Solidarität mit Wagenknecht konnte die Einstellung sehr erfolgreich wegspülen. Wirklich schade.


– Text: Jens Grote, Bildnachweis: Sven Teschke, CC BY-SA 3.0 DE


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