Anonymous.Kollektiv gelöscht! So wurde Mimikama von der Nazi-Seite angegriffen

Die größte deutschsprachige Anonymous-Seite wurde für menschenverachtende Nazi-Hetze missbraucht. Der Verein Mimikama klärte immer wieder darüber auf, dass der Rechtsextreme, der sich dahinter verbirgt, nichts mit der tatsächlichen Anonymous-Bewegung zu tun hat und stellte sich gegen den Aufruf zur Bewaffung der Seite. Jetzt scheint die Seite gelöscht worden zu sein. Andre Wolf im Interview.Anonymous. Kollektiv

Andre Wolf von Mimikama im Interview:

Wie lange klärt Mimikama schon über das Anonymous.Kollektiv auf?

„Wir haben uns das erste Mal am 10. April 2015 zu der potentiellen Betreiberschaft der Seite durch einen Erfurter geäußert. (siehe hier). Diesen ersten Artikel mussten wir jedoch wieder entfernen, da wir kurz nach der Veröffentlichung einen Anruf mit unterdrückter Rufnummer bekamen. Der Teilnehmer am anderen Ende gab sich als ein Anwalt aus und verlangte von uns die sofortige Löschung des Artikels. Dem kamen wir natürlich nach, haben darauf direkt die geänderte Fassung veröffentlicht.

Kleine Anekdote zu diesem Telefonat:
Was passiert, wenn ein Thüringer Anwalt auf einen österreichischen Fakejäger trifft? Sie verstehen einander einfach nicht. Es hat ca. 3 Minuten gedauert, bis mein Kollege Tom verstanden hat, wer da überhaupt redet. War recht amüsant, unschön wurde es jedoch, als Tom mir das Telefon gereicht hat, weil er mit dem Thüringer Akzent nichts anfangen konnte und ich dann darum bat, nochmals zu wiederholen, wer da spricht und um was es genau geht. Das wurde mir recht schroff mit „habe ich ihrem Kollegen bereits geschildert“ beantwortet und das Telefonat vorzeitig durch den Anrufer beendet.

Die Inhalte durch die Facebookseite Anonymous.Kollektiv würden uns immer wieder zur Anfrage gestellt, auf viele sind wir gar nicht eingegangen, da diese Seite nicht unser Aufgabenfokus darstellt.“

Wie gefährlich habt ihr den mutmaßlichen Betreiber Mario Rönsch und die gekaperte Anonymous-Seite eingeschätzt?

„Zu der gestellten Frage: die Legende um die Kaperung ist auch bis heute lediglich eine Legende. Uns liegen zwar Screenshots aus dem Zeitraum vor, so wie wir auch Kontakt zu Personen aus dem Umfeld haben, aber mehr als eine Rekonstruktion des Ablaufes ist nicht machbar. Ebenso gilt natürlich auch die Nennung des Namens auch nur als rein Mutmaßung. Zumindest bis zum heutigen Tage.

Eine Gefahr stellt diese Seite natürlich durch ihre Reichweite und verdrehten Darstellung der Inhalten dar: mehrere Inhalte sind nachweislich falsch, viele Statusmeldungen sind grundsätzlich meinungsbasiert (was letztendlich legitim ist) und neuerdings wird immer offener ein Bürgerkriegsszenario propagiert. Der Aufruf zu Bewaffnung und Gewalt wird letztendlich auch Ermittlungsbehörden auf den Plan rufen.“

Wie wurdet ihr direkt involviert?

„Wir sind recht deutlich in das Visier geraten, als wir uns offen gegen den Aufruf zur Bewaffnung und die Anwendung dieser Waffen gestellt haben. „Mimikama ist Mensch“ – das Bedeutet, dass wir jede Art von Gewalt ablehnen und somit auch den Weg dorthin.

Ebenso haben wir recht aufwändig jede Art von Hinweis auf die Hintergründe, sowie Zusammenhänge gesammelt. Am Ende scheinen wir augenscheinlich die wirtschaftlichen und politischen Interessen gestört zu haben, so dass auf der Seite „migrantenschreck“, welche die Schusswaffen bewirbt und auch einen Webshop dafür darstellt, in dem Impressum unsere Adresse genannt wurde und der Geschäftsführer „Thomas Wolf“ ein Kompositum aus den Namen Thomas Wannenmacher und Andre Wolf darstellt.

MigrantenschreckMittlerweile kann man auch recht offen erkennen, dass wir gemeint sind und welche Botschaft dort übermittelt wird.“

Wie kam es zur Löschung? Wurde Rönsch „enttarnt“?

„Die Löschung ist bis dato unbestätigt. Ebenso kann die Seite lediglich durch den Betreiber „unpublished“ worden sein: als Seitenbetreiber hat man die Möglichkeit, eine Seite vorübergehend zu deaktivieren. Man kann sie dann jederzeit wieder sichtbar machen, aber alle anderen sehen in dieser Zeit die Seite nicht.

Daher würde ich zum derzeitigen Zeitpunkt noch nicht von einer Löschung sprechen, auch wenn andere Artikel dieses beschreiben.

Eine Enttarnung des Betreibers liegt derzeit auch noch nicht vor, obschon der Focus dieses deutlich sagt. Sollten die Focusangaben stichfest sein, wird natürlich eine große Prozesswelle anlaufen.“

Wie geht es weiter?

Ab jetzt wird wohl eher hinter den Kulissen gearbeitet: die nächsten Schritte sind eher weniger öffentlichkeitswirksam. Da mittlerweile die WAZ, der BR, Focus, NTV und auch VICE (also alle die den Namen des potentiellen Betreibers veröffentlicht haben) auf der Seite migrantenschreck.ru mittels Logo dargestellt werden, kann man nun verstärkt mit juristischen Bemühungen rechnen, die den Betreiber stellen sollen. Ebenso liegen auch dem BKA bereits umfangreiche Informationen vor.“


– Das Interview führte Thomas Laschyk

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