Bringen Flüchtlinge den islamistischen Terror zu uns?

Ganz ehrlich? Man musste mir erklären, was ein islamistischer Terroranschlag mit Kriegsflüchtlingen zu tun habe. Vielleicht haben einige von unseren neonationalen Jammerlappen geistig schon Mauern um ihre Gehirne errichtet und können da sofort eine Kausalkette erblicken, aber beim besten Willen: Was? Terror als direkte Folge von Kriegsflüchtlingen? Es ist doch genau umgekehrt! Wenn du mit diesem Artikel fertig bist, wirst du dich auch fragen, wieso du das nicht gleich lächerlich gefunden hast.DrahtBeatrix von Storch, Lügen-GEZ-Boykottiererin, twitterte gleich ironisch nach dem Anschlag in Brüssel, dass da „alles nix mit nix“ zu tun habe. Storch, Enkelin des Finanzministers im Kabinett Hitler II (Hat auch nix mit nix zu tun), die in ihrem Tweet übrigens kein Mitgefühl für die Angehörigen der Opfer ausdrückte (da waren wohl die 140 Zeilen zu knapp) beweist, dass politisches Kapitalschlagen für die AfD noch vor Menschlichkeit kommt.Von Storch TweetNach jedem Anschlag und noch bevor die Identität der Terroristen und die Verantwortlichen der Anschläge bekannt sind wird bereits auf die Muslime geschimpft und seit neuestem besonders gegen muslimische Flüchtlinge. Und ich fühle mich dazu gedrängt, es jedes Mal auf’s neue zu wiederholen. Hier und hier und hier. Die Terroristen von Paris waren größtenteils Franzosen. Die Terroristen aus Brüssel Belgier. Aber wir verdächtigen Syrer? Ja, sie waren auch Moslems. Aber dein Dönermann wird sich auch nicht demnächst in die Luft sprengen. Oder wer hat alle Christen für die Anschläge eines Anders Breivik verantwortlich gemacht?

5000 Europäer sind zum IS gegangen, und einige mehr sind natürlich gefährdet, sich durch Islamismus radikalisieren zu lassen. Der IS muss keine Terroristen nach Europa einschleusen und erst Recht nicht als Flüchtlinge. (So gesehen bescheren wir dem Nahem Osten tausende Terroristen, nicht umgekehrt) Die Vermutung, dass wir uns mit den Flüchtlingen Terroristen ins Land holen, ist, wenn auch für viele scheinbar plausibel, völlig falsch.

Auch wenn ihr etwas anderes von Hetzern gehört haben mögt: Es ist noch kein einziger Flüchtling bestätigt, der ein getarnter IS-Kämpfer ist. Selbst wenn es welche gäbe, ist das sowieso belanglos bei Millionen Menschen, die hierher fliehen. Es behauptet ja keiner, dass das alles nette, brave Menschen sind. Da sind sicher ein paar Arschlöcher dabei. Aber deswegen  können wir doch nicht alle aussperren. Ich bezeichne auch nicht alle Dresdner als Vollidioten, nur weil da ein paar Intelligenzallergiker jeden Montag ihre Sturheit zur Schau stellen müssen. Diese sind sogar weit in der Minderheit.




Aber alle islamistischen Terroristen waren den Behörden zuvor bekannt, wie Sascha Lobo recherchiert hat:

Sascha LoboEs ist nicht so, als werde der nette Flüchtling aus dem Asylbewerberheim nebenan plötzlich zum IS-Kämpfer. Es ist eine Frechheit zu behaupten, Flüchtlinge hätten etwas damit zu tun. Das ist so, als würde ich behaupten, es wäre jeder, der aus einem brennenden Haus flieht, ein Brandstifter. Wie ich hier bereits ausführlich erklärt habe, haben die Flüchtenden muslimischen Glauben nichts mit dem IS am Hut. Das sind die Menschen, die (unter anderem) vor dem IS fliehen. Und wer Stimmung gegen Flüchtende macht, spielt dem IS in die Hände. Denn die wollen, dass wir Flüchtlinge hassen. (Mehr zum Thema)

Die AfD freut sich, wenn Menschen bei einem islamistischen Anschlag um’s Leben kommen. Denn dann kriegen sie mehr Wählerstimmen. Du findest, das ist eine gemeine Unterstellung? „Willkommen im Club!“ sagen die Flüchtlinge da.

   

Selektive Trauer

   

Die bösen islamistischen Terroristen, die armen europäischen Opfer. Man könnte meinen, es wäre ganz einfach. Doch das Bild von Muslimen, das in der Öffentlichkeit geprägt wird, könnte von der Realität nicht weiter entfernt sein. Und ich rede jetzt gar nicht von rechter Presse oder bösen Absichten. Doch wenn du das Wort „Terrorist“ hörst, an wen denkst du da? Ja klar, an einen Islamisten. Dass nicht alle Terroristen in Europa Muslime sind, wird wohl hoffentlich den meisten klar sein. Aber die meisten Terroristen werden doch muslimisch sein, oder?

Nach Angaben von Europol begingen muslimische Täter zwischen 2009 bis 2013 weniger als zwei Prozent der Terroranschläge in der EU.

Der Prozentsatz ist geringer als der muslimische Bevölkerungsanteil in der EU von 6% oder 7%! Tatsächlich ist es in Europa also unwahrscheinlicher, Terror in Europa dass ein Moslem zum Terroristen wird als ein Andersgläubiger. In den USA starben nach dem 11. September nur 37 von 190.000 bei Anschlägen getöteten Menschen durch Islamisten. Auch ist die Gesamtzahl an Terroranschlägen in Europa zurückgegangen. Wir sind viel sicherer als in den Jahrzehnten zuvor, auch wenn die Medien etwas anderes implizieren.

Doch in unserem kollektiven Bewusstsein gab es im letzten Jahr nur 3 Anschläge: Zweimal Paris und einmal Brüssel. Und immer der Islamist. Und so sehr die Angehörigen der Opfer unsere Trauer und unser Mitgefühl verdient haben, so erschreckend ist doch die Apathie, die wir den Opfern aller anderer Anschläge entgegenbringen. Seien es nicht-islamistische in Europa oder islamistische außerhalb. In den vergangenen 15 Jahren kamen lediglich drei Prozent der Terror-Opfer aus Staaten des Westens, wie Rico Grimm heraus fand.

Paris und Brüssel lösten Trauer, Mitgefühl und Bestürzung aus, und das ist auch gut so und auch nur menschlich. Doch sie führten auch dazu, dass wir Menschen, die vor dem Terror des IS aus Syrien fliehen eher zu den Schuldigen als zu den Opfern zählen. Und das ist nicht nur absurd, das ist auch traurig.

Und ich bin noch nicht einmal auf die geopolitischen Ursachen von Terror (Wirtschaftliche Ausbeutung, Waffenexporte), seiner schwammigen Bedeutung, der Kriegssituation im Nahen Osten oder den tatsächlich fast täglich in Deutschland stattfindenden Anschlägen (von Rechtsextremen) eingegangen.

Ja, es ist irgendwo verständlich, dass wir zu europäischen Opfern mehr Bezug haben und deshalb diesen mehr Aufmerksamkeit schenken. Doch wenn wir nach 9/11 nur noch islamistischen Terror sehen und kollektiv vergessen, dass Muslime in Europa meistens nicht die Täter sind und stattdessen weltweit gesehen meistens die Opfer, dann brauchen wir uns nicht wundern, wenn eine Partei mit einem Wahlprogramm aus dem letzten Jahrhundert plötzlich solchen Zulauf erhält.

Weil das alles dazu führt, dass wir uns hier ein riesiges Schwarz/Weiß-Bild zusammenschustern, das völlig realtitätsfremd ist. Die Medien senden nur das, was sich gut verkauft und das ist Panik, ein perverser Voyeurismus und etablierte Feindbilder. Wir müssen aus diesem Modus herausbrechen, um unser aller Wohlergehen. Denn wenn es inzwischen salonfähig geworden ist, vor dem Untergang Europas durch solchen Märchen wie „Islamisierung“ zu warnen, dann gewinnen gefährliche Kräfte Auftrieb in Europa.

Und wir sollten uns alle daran erinnern, wieso die letzten Male Europa in Schutt und Asche lag. Nicht wegen Migranten. Nicht wegen Flüchtlingen. Sondern wegen Nationalisten.


Wer den Text schon einmal gelesen haben sollte und sich wundert: Dies ist ein Ausschnitt aus einem älteren Artikel, neu aufbearbeitet. (Hier)


– Text: Thomas Laschyk

 

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