Nach Clausnitz: Wir müssen dem Faschismus ein Ende setzen, bevor es zu spät ist

Spätestens mit der „Schande von Clausnitz“ sollte Deutschland erkannt haben, das wir längst einen Punkt überschritten haben, an dem wir den rechtsradikalen Trend in unserem Land schön reden können. Wenn die Polizei unter Applaus nichtdeutsche Kinder würgen kann, dann stehen wir schon mit einem Bein im institutionalisierten Faschismus. Wir müssen diesen Wahnsinn stoppen.Schwer verpetzt!Was in Clausnitz passiert ist, muss nicht in allen Details wiederholt werden. Die „Schande von Clausnitz“ hat Schlagzeilen gemacht. Doch wir empören uns noch nicht genug. Vor zwei Jahren wäre so ein Ereignis in Deutschland undenkbar gewesen. Doch heute scheinen wir in Deutschland die sich breit machende Progromstimmung nicht zu bemerken.

Fast jeden Tag brennt ein Flüchtlingsheim, in den sozialen Medien verbreiten sich täglich neue Lügengeschichten über Flüchtlinge und die Polizei versagt total. Nicht genug, dass der Leiter des Asylbewerberheims in Clausnitz AfD-Mitglied ist (Was für eine perverse Situation!) und sicherlich für den abscheulichen Empfang der Flüchtlinge mitverantwortlich, so hat sich auch die Polizei vor Ort völlig daneben verhalten. Sie haben „einfachen unmittelbaren Zwang“ (Pressesprecher) anwenden müssen – Bei den Flüchtlingen!

Sie haben ein Kind gewürgt und mit Gewalt und unter dem Beifall grölender Rassisten in das Heim gezerrt. UND DER JUNGE WIRD ANGEZEIGT. Es ist zum Haareraufen. Die Polizei sagt dieses Verhalten sei „absolut notwendig“ und „verhältnismäßig“ gewesen. Weil der Junge (sowas von zu Recht!) den geistigen Totalausfällen, die nichts besseres zu tun haben, als traumatisierte Menschen hasserfüllt anzuschreien den Mittelfinger gezeigt hat. Nachdem einer der „besorgten Bürger“ mit dem Finger quer über seinen Hals – Ihm andeutete, man solle ihm Hals abschneiden.

So etwas verteidigt unsere Polizei. Ich bin sprachlos. Ich bin wütend. Diese Unverschämtheit der sächsichen Polizei, sich so menschenverachten hinzustellen und Anzeigen gegen die Flüchtlinge zu prüfen. Gegen KINDER! In welchem Deutschland leben wir denn bitteschön? Manche glauben wohl, wir leben 1933. Dass die Gesten der Flüchtlinge die Situation „verschärft“ hätten erinnert mich stark an die Behauptung, dass aufreizend gekleidete Frauen Vergewaltigungen provozieren würden.

Das ist eine perverse Täter-Opfer-Umkehr. Diese Rassisten sind mit dem alleinigen Ziel dorthin gegangen, um Menschen, die aus einem Kriegsgebiet kommen und Schutz suchen, ihren Hass und ihre Unmenschlichkeit entgegenzubrüllen. Diese hasserfüllten Menschen – und das kann ich ohne Übertreibung behaupten – hätten die Flüchtlinge gerne tot gesehen. Doch unsere Polizei verteidigt dieses Gedankengut. Und keiner tut was.

  

Diese Menschen sind der lebende Beweis eines Kollektivversagens sämtlicher erzieherischen Institutionen

  

Ich schäme mich. Ich schäme mich so gewaltig. Natürlich verurteilen alle dieses Ereignis. Aber wie so viele unsagbare Dinge, die die neuen Faschisten sagen und machen wird es keine echten Konsequenzen haben. Wir müssen etwas tun. Wir dürfen nicht mehr so tun, als hindere uns die Meinungsfreiheit davon, diesen Monstern Einhalt zu gebieten. Die Zeit des Redens muss vorbei sein. Wenn die Polizei dabei mitmacht, Flüchtlinge zu verprügeln, dann war’s das mit der Menschlichkeit. Mit unserem Rechtsstaat. Mit der Demokratie.

Darüber reden wird aber nichts ändern. Diejenigen, die die Worte der Vernunft noch hören, wissen darüber bereits Bescheid. Die, die es nicht tun, werden es nie mitbekommen. Man muss die Initiatoren und Akteure dieser Scheiße erreichen. Aber die Kann man nicht erreichen, weil sie in einer Subkultur leben, sozial und medial abgeschottet. Aufgrund unseres mangelhaften Bildungssystems sind sie aus der Gesellschaft mit ihren sie konstituierenden Werten einfach herausgefallen.

Geschichte, Ethik,  Logik… das konnte ihnen offenbar nicht beigebracht werden. Diese Menschen sind der lebende Beweis eines Kollektivversagens sämtlicher erzieherischen Institutionen. Eltern, Kindergärten und vor allem Schule müssen einen scheiß Job geleistet haben, wenn Menschen sich so herzlos und niederträchtig verhalten. Wenn es wenigstens bei diesen unerzogenen Menschen und ihrem empfundenen Hass bleiben würde. Aber langsam beginnt sich dieser Hass zu institutionalisieren. Wir dürfen nicht den gleichen Fehler machen wie 1933. Das klingt übertrieben, aber ich würde es nicht schreiben, wenn es nicht bereits so schlimm wäre hierzulande.

Landesweite Aufklärungskampagnen in Schulen, Fernsehen und Elternabenden. Schulung der Lehrer, Lehrkräfte insgesamt besser ausbilden, die Entazifizierung wieder in die Agenda aufnehmen und Ethik und Medienkompetenz als feste Fächer,  anstatt Gelder für den Religions- oder Sportunterricht zu verschwenden. Eltern sollten einen Führerschein machen müssen und Grundlagen der Pädagogik und Psychologie gehören als Fächer in die Oberstufe. Wir haben so viel versäumt und jetzt bekommen wir die Rechnung. Empathielose, ungebildete Menschen.

Jedoch ist das nicht im Interesse der Regierung, die froh ist, wenn ein einfaches Feindbild von den Problemen und Lösungen ablenkt und es ihnen ermöglicht, die Überwachung und den Abbau der Demokratie zu Gunsten der Wirtschaft voran zu treiben. Im Hintergrund der Vorfälle von Clausnitz genehmigte Wirtschaftsminister Gabriel so viele Waffenexporte wie nie und sorgt so dafür, dass der Strom an Flüchtlingen nicht abreißen wird.

Es reicht. Hört auf, nur über die Nazis zu schimpfen. Tut was dagegen. Geht wählen, demonstriert, werdet politisch! Noch können wir diesen Wahnsinn stoppen.


– Text: Thomas Laschyk, Vanessa Magri

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