Bist du sicher vor der Manipulation durch die Medien?

Hast du dich schon einmal gefragt, ob und wie du von Medien aller Art manipuliert wirst? Welche Mechanismen dabei mitspielen und was du dagegen tun kannst, erfährst du hier.

Magazine

Vor einigen Jahren hatte ich eine spannende Diskussion mit einem Arbeitskollegen. Er las gerade die Bildzeitung. In der Schlagzeile ging es um irgendeinen Politiker und ich stellte einfach mal folgende Behauptung auf:

Du kannst doch die Zeitung nicht einfach so lesen! Da wirst du doch vorn vorne bis hinten manipuliert.“

Der spannende Punkt war: Ich hatte damals von Manipulation noch keine Ahnung.

Er antwortete, wie es die meisten Menschen tun würden:

Ich lese die Zeitung hier nur. Ich lass mich davon nicht einfach so manipulieren.“

Aber stimmt das so?

Kann ich ein Medium wie die BILD-Zeitung wirklich konsumieren ohne dabei manipuliert zu werden?

Heute liegt dieses Gespräch über 5 Jahre zurück und ich lebe mittlerweile von meinem Wissen darüber, wie Veränderung funktioniert, wie Menschen beeinflusst werden und was das Unbewusste damit zu tun hat. Und heute werde ich dir diese Frage am Ende dieses Artikels ganz klar beantworten.

Ich möchte eines von vielen Mustern aufdecken mit denen Medien gezielt manipulieren: Das Erstellen und Nutzen unbewusster Verankerungen

Bevor ich diesen Effekt näher erkläre, möchte ich eine kleine Übung mit dir machen.

Ich schreibe etwas und du stellst dir sofort ein Bild dazu vor. Ohne Nachdenken – einfach das erste Bild, das erscheint festhalten.

Bereit?

Orange

Jetzt hast du dir im Idealfall eine Orange vorgestellt.

Hammer

Ein Bild von einem Hammer ist auch nicht weiter besonderes, nicht?

Schönheit

Merk dir gut welches Bild dir dabei gekommen ist.

Terrorist

Halte auch dieses Bild gut fest.

Wie du sicher bereits erkannt hast, waren die ersten 2 Begriffe zum Üben deiner Vorstellungskraft da. Nachdem das funktioniert, kamen 2 viel spannendere Begriffe.

Jetzt mal Hand aufs Herz:

Was hast du dir vorgestellt, als du Terrorist gelesen hast?

Eine RAF-Terroristin? Einen kolumbianischen FARC-Anhänger? Einen irischen IRA-Kämpfer?

Nein. Ich bin mir fast sicher, dass du dir einen muslimischen, bärtigen Bombenleger vorgestellt hast. Und das, obwohl es dutzende, nein hunderte, Terrororganisationen auf der Welt gibt.

Wie ist das mit Schönheit?

Schönheit ist ein weit weniger politisches Thema, dafür ein sehr Wichtiges für deinen Selbstwert. Was hast du dir automatisch bei diesem Wort vorgestellt?

Lass mich raten: Eine schlanke, halbnackte weiße Frau mit makellosem Körper ohne Muttermale oder Schwangerschaftsstreifen, mit langen, wahrscheinlich blonden Haaren und keinem Gramm Fett zu viel.

Bei diesen beiden Begriffen greift automatisch der sogenannte Verankerungs-Effekt.

Du hast dir die Dinge vorgestellt, die du im Laufe deines Lebens gelernt hast mit diesen Begriffen zu assoziieren. Diese Assoziationen kommen nicht von ungefähr. Diese Assoziationen stammen von wiederholtem Verknüpfen und der Verbindung mit starken Emotionen.

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Fangen wir mit dem Thema Schönheit an.

Frag dich einmal:

Woher hast du dein Bild von Schönheit? Hast du Zeit damit verbracht dir viele Frauen im Alltag anzusehen und zu beurteilen, welche dir gut gefallen?

Oder hast du deinen Maßstab unbewusst durch das Fernsehen, durch Zeitschriften und Werbeplakate angelegt?

Bei über 80% der Menschen ist Letzteres der Fall.

Wozu führt das?

Die Konsequenz für Männer ist:

Wir sehen „normale“ Frauen und finden sie hübsch. Aber unbewusst spüren wir, dass sie irgendwie nicht so viel zu bieten haben wie die schönen Frauen, die wir (aus oben genannten Quellen) gewöhnt sind.

Das mildert unser Empfinden für echte Schönheit, senkt unsere Libido und motiviert uns dazu, Frauen für ihr Äußeres zu kritisieren.

Die Konsequenz für Frauen ist:

Frauen vergleichen sich bewusst oder unbewusst mit diesen künstlichen Idealen, die viel zu oft durch Photoshop, gezielte Belichtung, viel Schminke und weiteren Tricks entstanden sind. Sie stellen fest: „Hier kann ich nicht mithalten“.

Ergo, versuchen sie alles erdenklich Mögliche, um das doch zu schaffen. Sie kaufen Unmengen an Kosmetik, Kleidung und Ähnlichem oder legen sich im Extremfall direkt unters Messer.

Schau dir einmal an, wie viele Mädchen und Frauen, aber auch vor allem junge Männer an massiven Selbstzweifeln bis hin zu Depressionen leiden, weil sie das Gefühl haben nicht gut genug zu sein.

Ihnen schwirrt ständig das künstliche Idealbild im Unbewussten umher und diesen Vergleich können sie nur verlieren.

Wer profitiert davon?

Die Frage ist sehr leicht zu beantworten. Wer verdient daran, dass du dich nicht gut genug fühlst und Dinge kaufst, um dein Selbstwertgefühl zu erhöhen?

Jetzt kommen wir zum zweiten Beispiel.

Der Terrorist.

Beim Terroristen ist die Chance bei über 90%, dass du dir den bärtigen, islamischen Mohammed vorgestellt hast.

Du brauchst nur einmal Nachrichten zu schauen: Ständig werden Islamisten gezeigt, wie sie irgendwelche Verbrechen begehen. Hat sich nie jemand gefragt, wo so wohlklingende, leicht merkbare, griffige und Aussagekräftige Wörter wie „Islamist“ herkommen? Beobachte einmal, wann solche Wörter erscheinen und welche Wirkung sie erzielen. In diesen Berichten fällt immer wieder das Wort Terrorist, Terrorstaat, etc.

Diese Präsentation erfüllt die 2 Hauptfaktoren für gute Verankerung: Emotionen und Wiederholung.

Also verknüpft sich das Bild vom Araber immer stärker mit dem Begriff Terrorist und den damit verbundenen Emotionen.

Wo ist dabei das Problem?

Das Problem dabei ist Folgendes: Dreh den Effekt doch einmal um!

Wenn du an Terrorist denkst und einen Islamisten siehst.

Dann schau dir einmal einen Islamisten an und prüfe, woran du denkst?

Ist es dir schon einmal passiert, dass du an einem Schwarzen/Araber/Flüchtling vorbei gegangen bist und dein erster, automatischer Gedanke war „Oh, ich sollte jetzt aufpassen. Hoffentlich tut der keinem was. Sind Frauen in der Nähe?“

Mir ist es schon viele Male passiert. Diese Verankerungen wirken automatisch und meistens ohne dass du es bewusst merkst.

Wer profitiert davon?

Jeder, der Hass gegen eine bestimmte Bevölkerungsgruppe säen will.

Die Tagesschau sät Hass gegen Araber, die BILD sät Hass gegen alle.

Wenn dich das Thema Sprache, Sprachformung, Manipulation und was man dagegen tun kann näher interessiert, empfehle ich dir mein kostenloses Hörbuch „Die Sprachmuster der Verführung“. Darin lernst du verschiedene Sprachmuster kennen, die deinen Alltag bereichern und dir heimliche Manipulation bewusster machen. Trag dich dafür hier ein:

Die Antwort auf die Frage, ob ich die Bildzeitung lesen kann ohne manipuliert zu werden lautet also ganz klar:

Nein.

Schau dir die Präsentation an. Schwarze und Rote Signalfarben, Schriftarten und Präsentation wie auf einem Kriegsflyer. Textbausteine, die zu gewaltsamen Assoziationen geradezu einladen. Behauptungen in den Überschriften, die erst am Ende der Texte entkräftet werden. Starke Emotionale Beteiligung durch große Bilder und reißerische Formulierungen.

So funktioniert Manipulation.

Das Ganze lässt sich natürlich auch umgekehrt nutzen.Wenn die Medien gewisse Menschen oder Politiker regelmäßig mit positiven Assoziationen darstellen, verankert sich ein gutes Gefühl mit diesen Menschen.

Aber nein, das hat natürlich überhaupt keinen Einfluss auf dein Konsum- und Wahlverhalten…

Und was kann ich dagegen tun?

Die Lösung sieht folgendermaßen aus:

  1. Akzeptiere, dass Medien dich manipulieren können.

So lange du das verleugnest, weil du dich für so willensstark hältst, bist du wie Wachs in den Händen eines fähigen Manipulators. Sobald du davon ausgehst, bist du bereit, es wahrzunehmen und dich zu schützen.

  1. Mach dir bewusst, wo du manipuliert wirst.

Schau dir verschiedene Medien unter der Frage an, wo da gerade manipuliert wird und welche Emotion mit welchen Statisten/Bevölkerungsgruppen verbunden werden soll.

Dann stell dir einmal einen Teilnehmer dieser Bevölkerungsgruppe vor und schau, welche Emotionen du automatisch damit verbindest. Wenn dir diese Verbindung nicht gefällt, dann geh nach draußen und lerne Vertreter dieser Gruppe kennen und mache neue Erfahrungen.

Die neuen Erfahrungen werden dann Stück für Stück die mediale Beeinflussung überdecken und du kannst wirklich von einem eigenen Urteil sprechen.

  1. Lerne zu differenzieren.

Eine Sache ist mir ganz wichtig zu erwähnen: Nur weil die Medien eine Emotion mit einer Gruppe oder einer Person verbinden wollen, muss diese nicht automatisch falsch sein.

Flüchtlinge begehen wirklich Verbrechen, Männer vergewaltigen wirklich Frauen und Politiker machen auch mal gute Dinge. Zumindest gelegentlich.

Lass dich also auf keinen Fall blind von den Medien verleiten und verfalle nicht in eine undifferenzierte „Lügenpresse“-Mentalität, indem du alles was die Medien sagen sofort leugnest ohne es zu prüfen.

Damit hast du die besten Chancen, dich gegen Manipulation zu wehren.

Ich wünsche dir viel Spaß beim Entdecken, wie viel Manipulation da draußen wirklich ist.

Du weißt ja: „What once has been seen, can never be unseen.“


Text: Mark Oswald

  

Mark Oswald arbeitet als Coach für Selbstverwirklichung. Die Macht der Sprache gehört dabei zu einem seiner Kernthemen. Auf seinem Blog www.livetheadventure.de kannst du dir ein Hörbuch zum Thema Manipulation mit Sprache gratis downloaden.

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