Du kannst Attila Hildmann schon toll finden, aber dann find ich dich halt kacke

Deutschlands vielleicht bekanntester veganer Kochbuchautor Attila Hildmann hat viele Fans. Das sollte nicht so sein, meint Hella Martin.

Attila Hildmann

Aber, aber! Natürlich macht er die schönste Buchstabensuppe und die feinsten Sprühsahnetupfer und natürlich ist er ein bequemer Gast, so ohne besonderen ethischen Hintergrund.

Klar, wer sein Fähnchen in den Wind hängt und gern mal muffigste Stammtischsprüche und Verhaltensweisen an den Tag legt, eckt eben auch nur bei denen an, die sich eine Welt wünschen, in der Ausbeutung, Sexismus und rassistische Vorurteile einen verschwindend geringen Platz einnehmen.

Aber er hat doch den Veganismus bekannt gemacht!

Dies widerspricht sich mit den Trends, nach denen es bei den Medien und bei Google eine Nulllinie bis zum Auftauchen Hildmanns gegeben hätte (Hier Klicks für „vegan“ und hier „Attila Hildmann“). Und es gibt einen Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität!

Vegan & Hildmann Google

Subjektiv scheint vielmehr eine stetige Verbreitung des privaten Internetanschlusses dem Veganismus einen Aufschub gegeben zu haben. Waren die Hintergründe der Tierproduktion doch plötzlich vom Wohnzimmer aus zu recherchieren und die Möglichkeit gegeben, sich mit anderen auszutauschen und sich Tipps und Tricks zur tierfreundlicheren Lebensweise aus dem Netz zu holen.

Vielmehr ist auch zu befürchten, dass er den Veganismus in Verruf gebracht hat. War die vegane Lebensweise früher mit einem ethischen Hintergrund verknüpft, der es den Menschen nicht mehr möglich machte, Tierprodukte vor einem Hintergrund maximaler Ausbeutung und frühen Todes zu konsumieren, bedeutet diese Lebwensweise heute irgendwas mit Tee, jugendlichem Aussehen und kleinerem Hintern.

Kommt der nächste, der erklärt mit Ziegenkäse 30kg abgenommen zu haben und kerngesund geworden zu sein… naja, wir können es uns denken. Dann landen die gesammelten veganen Kochbücher bei Ebay und die Paleo-Goats-Bücher werden in höchsten Tönen gelobt. Tierrechte? Was? Warum soll Waldi Wahlrecht bekommen?

Auch relativiert er immer wieder das Elend und den frühen Tod, welche Tiere für fragliche Genüsse erleiden müssen, indem er bestimmte Arten der Tierausbeutung lobt.

Aber er ist doch so ein Netter und Lustiger!

Screenshot A.H.Ja, wer Sexismus toll findet, freut sich sicher auch über Sprüche wie “Vegan ist das neue Viagra”, welches suggeriert, nur eine Form von Sexualität sei richtig und wichtig, über Frauen, die gern mal die (Eis)bälle lecken dürfen (Siehe Titelbild) oder seine neueste Abhandlung darüber, worauf denn Frauen so stehen.

Ansonsten ledert (darf man sagen, wenn jemand zu seinem Tierlederkonsum steht, oder?) er auch gern mal über Geflüchtete ab, die für ihn anscheinend eine Gefahr der inneren Sicherheit bergen und alle an sein unser Geld wollen, was sonst ja regelmäßig wie ein warmer Regen über ältere, wohnungslose und andere bedürftige Menschen herabprasselte (Hier und hier – Ich verzichte hier liebend gerne auf Screenshots).

Gut, als Türke darf man das, weil, dann kann man ja weder Vorurteile haben, noch rassistische Sätze von sich geben, nicht wahr? Immerhin haben Türken vor dreißig Jahren (Ach was red ich, haben sie teilweise heute auch noch!) in Deutschland einen schweren Stand gehabt, da sollen es heute ins Land Kommende doch bitte keinen Deut besser haben!

Aber er reagiert doch auf Kritik!

Aber hallo, und wie. Siehe jeden oben genannten Link. Während andere erwachsen prüfen, ob Kritik berechtigt ist und sich so beständig weiterentwickeln, hat er das virtuelle auf den Boden werfen, Schreien und Strampeln perfektioniert.

Attila Hildmann mag vielleicht tolle vegane Rezepte haben, aber er ist sexistisch, rassistisch, lookistisch und nicht kritikfähig – Und damit alles andere als repräsentativ für Veganer und sollte nicht als Ikone oder Vorbild gefeiert werden.


– Text: Hella Martin, Titelbild: Screenshot YT-Video:VEGANGSTA #3″

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