5 Gründe, warum Wissenschaft sexy ist

Mittlerweile hat es sich wohl überall rumgesprochen, dass LIGO mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit direkte Hinweise auf Gravitationswellen aufgespürt hat. Daran kann man gut sehen, wie geil eigentlich seriöse Wissenschaft ist.

Alpha CentauriMittlerweile hat es sich wohl überall rumgesprochen, dass LIGO mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit direkte Hinweise auf Gravitationswellen aufgespürt hat. Weiter unten finden sich vier ausgewählte Links, die das Phänomen, die verwendete Technik und die astrophysischen Potenziale dieser Beobachtung erklären.

Als wäre all das noch nicht spannend genug, gibt der Vorgang einen guten Einblick in das Arbeiten seriöser Wissenschaft und sollte uns den Hut ziehen lassen: Vor dem, was unsere Primatenart hier eigentlich geleistet hat.

– Imaginationskraft:

Die Theorie, aus der Gravitationswellen als notwendige Folge deduziert werden, ist beinahe 100 Jahre alt. Stammt also aus einer Zeit, als wir weder Atome spalten, noch ferne Galaxien direkt beobachten konnten; geschweige denn, selbst im All gewesen wären.

– Akribie:

Die Messinstrumente, die zum Aufspüren der Signale nötig waren, sind unfassbar präzise (und gleichzeitig fehleranfällig). Wir haben unser rein biologisches Sensorium in den letzten Jahrzehnten mit hochentwickelten technischen Geräten um Größenordnungen verfeinern können. Das, was jetzt beobachtet wurde, gleicht dem Versuch, mit dem Finger auf der Tischplatte die Vibrationen aufzuspüren, die eine zugeschlagene Auto-Tür in Sidney verursacht.

– Skepsis:

Die Messungen, die diese Woche veröffentlicht wurden, sind bereits letzten September gemacht worden. Statt aber sofort jubelschreiend zu verkünden, man habe das Ei des Kolumbus gefunden, wurden die Daten erst mal Monate lang von mehreren Forscherteams rauf und runter analysiert und auf mögliche Fehlerquellen untersucht.
Auch am CERN hat man sich zeitgelassen, ehe man die Entdeckung des Higgs-Bosons verkündete. Der Standard in der Physik gebot es, dass man sich vorher zu 99,99999% sicher sein wollte, dass die Messwerte auf keine anderen Effekte zurückgehen.

– Bescheidenheit:

„Die wissenschaftliche Gemeinschaft hat in letzter Zeit – ich bin da keine Ausnahme – eine ziemlich überhebliche Haltung zu Schwarzen Löchern eingenommen. Wir nehmen sie als gegeben hin“, sagt Frans Pretorius, Experte für Simulationen der allgemeinen Relativitätstheorie an der Princeton University in New Jersey. „Aber wenn man bedenkt, was das für eine außergewöhnliche Vorhersage ist, dann braucht man eben auch außergewöhnliche Beweise.“
Diese permanent selbst-evaluierende Maxime sollten wir bei vielen Alltagsüberzeugungen im Hinterkopf behalten.

– Kooperation:

Kein wissenschaftliches Programm dieses Ausmaßes wird von Einzelpersonen vorangetrieben. Selbst der Genius eines Galilei oder Newton, einer Hypatia oder Curie, würde nicht genügen, solche Hypothesen noch im Alleingang zu verifizieren. Die Zeit der Universalgenies ist vorbei. Kein einzelner Mensch könnte auf allen erforderlichen Feldern auch nur annähernd die nötige Kompetenz besitzen, um so etwas zu leisten. Neue Entdeckungen dieser Art erfordern die finanziellen Mittel vieler Universitäten, privater Institute und Staaten, sowie die jahrelange Arbeit und das produktive Zusammenwirken dutzender internationaler Teams, die interdisziplinär aufgestellt sind.

Es scheint, als sollten wir bei solchen Schlagzeilen nicht nur daran denken, dass wir unser Wissen über den Kosmos dadurch ungemein erweitern – sondern dass wir bei solchen Projekten auch das positive kognitive, kooperative und rationale Potenzial des Menschen beispielhaft ausreizen. Wäre es nicht wünschenswert, diesem Exempel auch im Alltag öfter nachzueifern?

Scienceblogs: Was können und wozu braucht man Gravitationswellen?
Scienceblogs: Der direkte Nachweis von Gravitationswellen

Gizmodo: Holy Shit, scientists have confirmed the existence of Gravitational Waves
Spektrum: 6 Fragen, die uns Gravitationswellen beantworten könnten


– Text: Falko Pietsch

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