Warum kommen so viele junge Männer und warum bleiben sie nicht in Syrien zum Kämpfen?

Viele Menschen werden misstrauisch dabei, wenn sie hören, dass unter den Flüchtlingen eine große Zahl junger Männer ist. Handelt es sich etwa gar nicht um wirkliche Menschen in Not? Lest hier die tatsächlichen Zahlen und die Gründe, warum tatsächlich mehr Männer herkommen als Frauen – Und warum man ihnen nicht vorwerfen kann, dass sie aus ihrem Land fliehen.

Asylzahlen Stand Dez 15

In Diskussionen zu diesem Thema wird gerne mit Zahlen um sich geworfen, deshalb hier gleich zu Anfang eine Richtigstellung der Zahlen des Bundesamtes für Migartion und Flüchtlinge.

Asylgeschäftsstatistik Dezember 2015 und

Aktuelle Zahlen zu Asyl Ausgabe Dezember 2015

Hier kann man sehen, dass tatsächlich 71,1% der Antragssteller unter 30 Jahren alt sind. Dabei muss man berücksichtigen, dass aber auch 31,1% der Antragsteller unter 18 sind (und sogar 26,5% unter 16) und somit nur 40% zwischen 18 und 30, also in einem „wehrfähigen Alter“.

Des Weiteren sind tatsächlich 69,2% der Anstragsteller männlich und machen damit 2/3 aller Personen aus.

 

Die Forderung, dass die Flüchtlinge „ihr Land verteidigen“ sollten, kann nur von jemandem gestellt werden, der nicht weiß, was im Irak und in Syrien passiert

  

Die Kriegssituation in Syrien und dem Irak ist sehr unübersichtlich. Zu den Hintergründen der derzeitigen Lage im nahen Osten gibt es hier und hier kurze Videos zu den beiden Ländern. Besonders im Bürgerkrieg in Syrien gibt es ein gutes dutzend Kriegsparteien, Rebellen, Shiiten und Sunniten, religiöse Extremisten wie Daesh (der Islamische Staat) und das Militär des Assad-Regimes. Alle Kriegsparteien begangen Kriegsverbrechen wie Folter und das Einsetzen von chemischen Massenvernichtungswaffen und scheckten auch nicht vor Angriffen auf die Zivilbevölkerung zurück.

Wer also fordert, dass die Flüchtlinge für ihr Land hätten kämpfen sollen, zeigt, dass er nicht weiß, was dort eigentlich passiert. Für wen sollte man kämpfen und gegen wen? Alle Kriegsparteien greifen die Zivilbevölkerung an, alle verüben Kriegsverbrechen – Wer sich einer Kriegspartei anschließt, wird automatisch Teil des Problems und nicht der Lösung.

Abgesehen davon ist es eine äußerst dekadente Vorstellung, dass sich jeder Mensch ohne Ausbildung, Bewaffnung, Plan oder Willen in einen totalen Bürgerkrieg stürzen könnte – Wenn er gleichzeitig eventuell auch noch eine Familie zu umsorgen hat. Jeder, der willens ist, sich in den Krieg einzumischen, wird dies bereits getan haben. Und sich selbst und seine Familie vor dem Tod durch eine der Kriegsparteien bewahren zu wollen, ist nicht feige, sondern zeugt einfach von gesundem Menschenverstand.

Ein Drittel der syrischen Bevölkerung wurde innerhalb des Landes vertrieben, über 4 Millionen Menschen haben das Land verlassen. 95% suchten Zuflucht in den umgebenden Ländern (1,9 Mio Türkei, 1,2 Mio Libanon, 130.000 Ägypten, 650.000 Jordan, 250.000 Irak – Die restliche arabische Halbinsel hat leider hingegen keinen einzigen Flüchtling aufgenommen).

  

Ein Großteil der Flüchtlinge, die hier ankommen sind junge Männer? Das hat eine ganz logische Erklärung

  

Die Welt war nicht auf eine Flüchtlingssituation diesen Ausmaßes eingestellt, weshalb die meisten der Flüchtlingscamps überfüllt und schlecht versorgt sind. Der Libanon hat zum Beispiel 1,2 Millionen Flüchtlinge aufgenommen – Dabei hat das Land insgesamt nur 4,4 Millionen Einwohner (Stand 2013). Um eine vergleichbare Situation zu erreichen müsste Deutschland 20 Millionen Flüchtlinge aufnehmen – Auf nur 2/3 seiner Fläche.

Aufgrund der nicht besser werdenden Situation in den Flüchtlingscamps rund um Syrien – Ein Versäumnis u.a. der europäischen Staaten, die die Länder mit diesen Problemen allein gelassen haben – entschieden sich viele Flüchtlinge dazu, Asyl in Europa zu suchen. Anstatt Geld dafür aufzubringen, diese Menschen ordnungsgemäß unterzubringen oder zu versorgen, gab die EU jedoch 2 Milliarden Euro dafür aus, um zu verhindern, dass diese Menschen in Not überhaupt hier ankommen.

Es ist sogar politisches Kalkül, dass zu viele Menschen auf der Flucht nach Europa ertrinken, um die Bereitschaft zu senken, die gefährliche Reise auf sich zu nehmen. Diese perverse Kaltherzigkeit kostete schon vielen tausenden Menschen das Leben.

  

Du kannst nur eine Person auf die gefährliche Reise schicken. Wen? Das Kind? Die Großeltern?

  

Schon bei der Flucht aus Syrien und spätestens bei der Flucht aus den Flüchtlingscamp werden die Familien vor ein Problem gestellt:

Die Reise ist extrem gefährlich, potentiell tödlich, sehr teuer und ungewiss. Wenn die Fliehenden genug Ersparnisse haben, um Schlepper zu bezahlen und Beamte zu bestechen, reicht es meistens nur für eine Person, welche die Reise auf sich nimmt, in der Hoffnung, seine Familie später nach holen zu dürfen. Wen schickst du? Das Kind? Die Großeltern? Die Frau? In der Regel ist die logischste Entscheidung der erwachsene Sohn oder der Vater. Der hat die besten Überlebenschancen auf dem Spießroutenlauf nach Europa. Also natürlich kommen vor allem Männer.

Auch ist tatsächlich die Bedrohung im Kriegsgebiet für junge Männer am größten: Die Terrormilizen des IS und andere verschonen in der Regel Frauen und ältere Menschen. Männer und Jungs werden vor die Wahl gestellt: Entweder für sie zu kämpfen oder zu sterben.

Aus diesem Grund besteht für Männer wehrfähigen Alters und auch für noch minderjährige Jungs besondere Gefahr, zivile Opfer dieses Bürgerkriegs zu werden und unterstreicht noch einmal die Notwendigkeit, dass gerade sie die Flucht ergreifen, wenn sie denn nicht sterben wollen.

Angesichts dieser Umstände sind diese Zahlen alles andere als verwunderlich. Flüchtlinge sind nachweislich nicht krimineller oder gewalttätiger als wir (Wären sie besonders gewaltaffin, wären sie doch im Krieg geblieben), haben positive Auswirkungen auf unsere Wirtschaft und nicht zu Letzt ist es unabhängig von allem diesen Umständen unsere Pflicht, diesen Menschen ihr Menschenrecht auf Asyl zu gewähren.

Sollte man den Menschen aus Syrien Asyl gewähren?
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– Text: Thomas Laschyk

 

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