Vom Selfie zum Grundrecht – Eine Aufhebung der willkürlichen Grenze zwischen Mensch und Tier?

Das Selfie, das der Makake Naruto schoss, regte eine Diskussion darum an, ob er die Rechte am Bild besitzen dürfte. Sollten nichtmenschliche Tiere Grundrechte bekommen? Stimmt ab!

Makake Naruto

„Schlappe für Tierschützer: Affe hat laut US-Gericht kein Urheberrecht auf Selfies“ titelte der Standard.

Darin wird über einen Fall berichtet, in dem Makake Naruto in einem unbeobachteten Moment die Kamera des Fotografen David Slater untersuchte und ein Porträt von sich selbst knipste, welches um die Welt ging. Eine Tierrechtsorganisation forderte nun, dass das Urheberrecht bei Naruto, nicht aber beim menschlichen Fotografen Slater liegen solle.

Begründet hat der Richter, der über den Fall urteilen sollte, seine Ablehnung folgendermaßen:

„Ob Tiere grundsätzlich Urheberrechte an von ihnen produzierten Werken besitzen können, sei eine Frage, mit der sich der Kongress und der Präsident auseinandersetzen müssten, sagte der Richter laut „Ars Technica“. Sein schriftliches Statement folgt später.“

Interessant ist, dass der Richter nicht erklärte, dass nichtmenschliche Primaten evtl. kein Interesse an dem Urheberrecht hätten oder vielleicht versuchte einen anderen Punkt zu finden, um Naruto das Urheberrecht abzusprechen.

Wie im Falle Matthias Pans im Jahre 2010 wird die Entscheidung entweder mit Nebenschauplätzen („Nicht fähig sich auszuweisen“) abgeschmettert oder auf einen völlig anderen Entscheidungsträger verwiesen.

  

„Eine künstlich gezogenene Grenze“

  

Sollte einmal ein Urteil gefällt werden, welches einem nichtmenschlichen Tier echte Grundrechte zubilligt, könnte dieses als Grundlage für einen wirksamen Schutz vor dem Missbrauch als Nutztier, Versuchstier, Sportgerät, Zootier dienen. Schließlich wäre dann eine künstlich gezogene Grenze gefallen. Eine Grenze, die eine Säugetierart, uns Menschen, massiv von allen anderen abhebt und so einen Orang-Utan und einen Wasserfloh in eine Kategorie presst, obwohl der Orang-Utan und ich wohl wesentlich mehr Gemeinsamkeiten aufweisen als der Orang-Utan und der Wasserfloh oder der Wasserfloh und ich.

Ähnlich wie die Menschenrechte, die immer und überall gelten sollten, könnten auch andere Tiere, zunächst Primaten, dann evtl. Delphine oder Hunde und schließlich immer mehr Tierarten ein Recht auf Freiheit (wie diese zu gewährleisten ist, ohne dass eines unserer Mittiere plötzlich von Schutz und Versorgung abgeschnitten sind, gilt es herauszuarbeiten), Eigentum (in Verwaltung, wenn z.B. als Überbleibsel einer Haltung) und Sicherheit der Person (Erweiterung des Begriffes Person und Definition der Sicherheit vor gewissen Eingriffen des Menschen zum Zwecke der Verwendung als Nutztier, Lederlieferant, Kuscheltier, Zootier, Versuchstier usw.) als Grundrechte erhalten.

Dies würde eine massive Veränderung unserer menschlichen Gebrauchs- und Verbrauchsgewohnheiten bedeuten, uns vor Herausforderungen in Bezug auf Gesetzgebung und Vollzug stellen und massives Umdenken generell erfordern.

Ich würde es trotzdem begrüßen, wenn der erste Schritt zum Aufbrechen der willkürlichen Grenze zwischen „den Tieren“ und „den Menschen“ recht bald geschieht und auch unsere Generation in diesen turbulenten Zeiten, in denen wir kaum wissen wie wir ein friedliches Zusammenleben mit Menschen unterschiedlichster Herkunft, Religion, politischer Richtung oder Weltanschauung realisieren sollen, schon erste Schritte in eine Richtung friedlicher Koexistenz wagt.

Sollten wir nichtmenschlichen Tieren Grundrechte zugestehen?
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– Text: Hella Martin

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