Der Veggieday – Bevormundung durch Gemüse

Es war ein ruhiger Sonntagmorgen. Der Router hatte versagt, im Fernsehen kamen nur Wiederholungen und niemand hatte Zeit Schwimmen zu gehen. Aus purer Langweile und stumpfer Untätigkeit wurde der Veggieday geboren, um entmündigten Tierfleischessern die Currywurst zu entreißen.

Mann mit Gurkenglas

So oder so ähnlich muss man sich das vorstellen, wenn man Beiträge in Bezug auf den Veggieday in sozialen Medien, aber auch in seriösen Zeitungen oder Interviews von Politiker_innen liest.

Dass etwas anderes dahinter steckt und eine einzelne Mahlzeit oder der derzeit oftmals vorgeschobene „Flexitarismus“ nur ein Anfang sein kann, sollte nach wenigen Minuten Recherche klar sein.

Selbst ein Internetanschluss ist nicht von Nöten, vermelden doch auch lokale und überregionale Medien täglich etwas mit Bezug auf die Tierproduktion.
Mal ist es die Gülle, die versehentlich den nahegelegenen Fluß verseucht, mal um den Verbrauch von Nahrungsressourcen, die andere lieber direkt auf ihrem Teller hätten, statt sie in Tiertrögen verschwinden zu sehen, mal um die verheerenden Auswirkungen von Zoonosen, die Belastung unserer Umwelt durch die Tierproduktion, die Gefahr in Bezug auf Antibiotikaresistenzen oder das unfassbare Elend der Tiere.

Es ist also tatsächlich nicht leicht, zu übersehen, dass Initiativen wie der Veggieday oder der Flexitarismus einen ernsten Hintergrund haben.

Verwunderlich ist vielmehr, dass es bei diesen seichten Bemühungen bleibt, den wahnsinnig hohen Konsum an Tierprodukten nicht drastischer herunterzuschrauben oder gar zu beenden.

Der Fleischverzehr liegt pro Kopf und Jahr bei etwa 60kg und dabei sind die Milchprodukte mit 90kg und der Eiverbrauch mit 230 Stück noch nicht einmal berücksichtigt.

Wer sich also den massiven Schaden durch Tierproduktion ansieht, wird erkennen, dass selbst eine Halbierung des Konsums noch immer massive Konsequenzen für ein Weiterleben von Menschen auf diesem Planeten hat.

Auch eine Halbierung der aktuellen Tierzahlen von

Rindern 2015 12,6 Mill.
Schweinen 2015 27,5 Mill.
Schafen 2015 1,6 Mill.
Lege­hennen 2014 39,6 Mill.
Eiern 2014 11,6 Mrd. Stück
Schlacht­mengen 2014 8,2 Mill. t

auf die Hälfte würde nicht nur weiterhin massives Elend und frühen Tod für diese verbliebenden, denkenden, fühlenden Lebewesen bedeuten, sondern weiterhin den Veredelungsverlust und die Belastung unseres Lebensraumes durch Fäkalien, Gase und Keime.

Wärend man üblicherweise hinnimmt, dass man einen Ölwechsel nicht im Wasserschutzgebiet durchführt, obwohl man selbst vielleicht kein Trinkwasser von dort bezieht, vor Schulen und Kindergärten nicht rast, obwohl man keine eigenen Kinder dort hat und Steuern zahlt, obwohl einem die davon bezahlten Staatsdiener kein Frühstück ans Bett bringen, erklärt man bei einem Veggieday lautstark, dass man sich nichts verbieten ließe.

Also, statt 21 Portionen Tierprodukt die Woche (Ja, auch die Salami auf dem Frühstücksbrot ist eine Portion. Und der Joghurt nach dem Essen auch), sollen es womöglich nur 20 sein? Das geht ja gar nicht.

Dabei sehen Veggieday und Flexitarismus nur einen Schritt in die richtige Richtung vor. Denn selbst Veggiedaymenus und flexitarische Tage gehen nicht von veganen Gerichten aus, sondern enthalten oft trotzdem Tiermilchprodukte und/oder Eier.

Menschen, denen angesichts eines fleischfreien Gerichts an einem Tag nichts anderes einfällt als „Bevormundung“ zu schreien, „Ich esse dann woanders Döner“ oder „Dann bring ich mir halt Fleisch mit“ zu erklären, zeigen, dass manche erwachsene Menschen Bevormundung bitter nötig haben.
Denn bis zum Kinn in der Gülle stehen, ist ihnen ja auch wieder nicht recht.


– Text: Hella Martin

Zum Thema: Ich lasse mir doch nicht vorschreiben, was ich essen soll! von Armin Rohm

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