Darum versagt der Ernährungs- und Landwirtschaftsminister

Es macht natürlich Sinn, wenn Landwirtschaft und Ernährung in einem Ministerium behandelt werden. Problematisch wird es, wenn Lobbygruppen der Landwirtschaft Gesundheitsempfehlungen beeinflussen, um ihre Produkte abzusetzen, selbst wenn es gesundheitliche und ökologische Bedenken gibt. Wie zum Beispiel bei Tierprodukten.

Kühe auf WeideWer heute in einem Beruf arbeitet, muss nicht in ihm ausgebildet sein. Umschulen, Quereinsteigen, Weiterbilden… all das kann von der ursprünglichen Ausbildung weg und zu einer Arbeit in einem ganz anderen Bereich führen. Und wenn jemand die Position des Ministers für Landwirtschaft und Ernährung besetzt, ist es wohl auch etwas viel verlangt, dass diese Person in beiden Bereichen ausgebildet ist.
Das ist auch nicht nötig, wenn Fachkräfte aus den Bereichen zur Beratung bereit stehen.

Dass unser derzeitiger Minister für Landwirtschaft und Ernährung Jurist ist, sollte eigentlich auch keine großen Probleme mit sich bringen.

Jedoch problematisch ist, wenn Landwirtschaft und Ernährung in einem Ministerium behandelt werden (was inhaltlich ja auch Sinn macht). Zum einen, da Druck des Tiererzeugerbereiches auf Politiker_innen überwiegt und auf Menschen trifft, die einen vielleicht konservativen Lebensstil- und Ernährungsstil pflegen.

Wird Tierschützer_innen schon vorgeworfen, lautstark zu protestieren, so lassen die Aktionen der Tierprodukterzeuger_innen selbst die Verbraucher_innen, welche ihre Produkte kaufen, den Kopf schütteln. Dieses Verhalten, ständige Lobbyarbeit und Imagekampagnen setzen die Politik unter Druck.

Nicht nur in Deutschland ist es fast unmöglich, die Umweltbelastung durch die Tierproduktion anzusprechen, um als Konsequenz eine Verringerung des Konsumes von Tierprodukten einzufordern. So erinnern wir uns an die Schelte, welche die Grünen für die Idee eines einzigen Veggiedays pro Woche ernteten. Und das, obwohl selbst die konservative Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. den Konsum von weniger Tierfleisch empfiehlt (bis zu halb so viel). Auch in Österreich wird rasch abgewiegelt, wenn es um den Teller der Einzelnen geht.

  

Gutachten der Regierung über negative Konsequenzen der Massentierhaltung bleibt ohne echte Maßnahmen

  

Minister Schmidt selbst gab beim “Wissenschaftlichen Beirat für Agrarpolitik beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft” ein Gutachten in Auftrag, um zu prüfen, ob die aktuelle Form der so genannten Nutztierhaltung heute noch zukunftsfähig ist. Analysiert wurden unter anderem auch die Akzeptanz in der Bevölkerung, der Einfluss auf die Umwelt und die Tiergerechtigkeit.
Das Gutachten kommt zu dem Schluss, dass die aktuelle Form der Tierproduktion keine Zukunft hat. Unter anderem auch, weil die Konsument_innen immer besser über die Produktion Bescheid wissen, aber auch, weil das System für Tiere und Umwelt unerträgliche Belastungen bedeutet.

Wurden nach Veröffentlichung rasch Vorgaben entwickelt, um die Tierzahlen schnell zu senken und die aktuelle Praxis der Amputationen bei Tieren (Enthornen bei Rindern, Kürzen von Ringelschwänzen bei Schweinen oder auch das Entfernen der Oberschnäbel bei Hühnern und Puten), sowie weitere Kritikpunkte zu beenden?
Leider nein, denn mit der Jahreszahl 2030 sind Jahre, gar Jahrzehnte für dringend notwendige Veränderungen vorgesehen. Doch liegt dies ganz allein am Druck der Tierproduzenten? Dieser Druck wird wohl einen großen Anteil haben. Hinzu jedoch kommt, dass die Entscheidungsträger_innen selbst Tierproduktkonsument_innen sind. Eine Reduktion des Verbrauchs an Tierprodukten, Preiserhöhungen und ähnliches würde auch Veränderungen ins eigene Leben bringen. Und Veränderungen, das kennen wir alle, wirken oftmals unbequem und unangenehm.

Dass nun der Minister für Landwirtschaft und Ernährung in einem “Bild”-Interview erklärt, dass vegane Ernährung für Kinder abzulehnen sei ist daher leider nicht als Handlung, jedoch in dieser Form verwunderlich.

Sinnvoll ist es für ein Ernährungsministerium darauf hinzuweisen, dass gewisse Nährstoffe nur mangelhaft von der deutschen Bevölkerung aufgenommen werden. So ist Vitamin D eines dieser Mangelvitamine. Den Daten des Bundesinstitut für Risikobewertung nach sind etwa 40% der Deutschen betroffen. Beim Folat sind es sogar 50% der Bevölkerung, die die Empfehlung nicht erreichen.
Verwunderlich ist da doch, dass das etwa eine vegane Prozent der Bevölkerung, welches sich ohnehin schon verstärkt mit Ernährung, Inhaltsstoffen und der Zusammensetzung des Ernährungsplanes auseinandersetzt, als absolute Risikogruppe dargestellt wird, welche womöglich ihre Kinder schlimmsten Gefahren aussetzt.

Während in Deutschland also noch getan wird, als ließen Veganer ihre Kinder an Mangelerscheinungen leiden, sind andere Länder bereits weiter. Die weltgrössten Ernährungsorganisationen erklären, dass eine gut geplante vegane Ernährung für jedes Alter und jede Lebenslage geeignet sei. Dass es notwendig ist, sich mit Ernährung zu beschäftigen, sollte Standard sein. Ganz besonders, wenn es um die Ernährung von Kindern geht.

Ernährungswissen wird angeeignet und bleibt dann erhalten. Es ist also nicht nötig, täglich Bücher zu Ernährungswissenschaften zu wälzen. Denn bald ist gewiss, welches Gemüse Folsäure enthält, wie man Vitamin E bekommt und, das B12 und Vitamin D der Ernährung hinzugefügt werden sollten.

 

Forderungen an unser Ministerium für Landwirtschaft und Ernährung

 
Eine Ablösung der Erzeuger_inneninteressen von Ernährungempfehlungen ist dringend notwendig. Sprich, die Erzeuger_innen von Tierprodukten, sowie die persönliche Ernährung des Ministers sollten nicht dafür sorgen, dass Tierprodukte pauschal als besonders wertvoll gelten, während pflanzliche, mineralische oder bakterielle Produkte als mangelhaft eingestuft werden.
Eine Erfassung des Ernährungsstsandes der Bevölkerung nach österreichischem Vorbild, mit daran anknüpfenden Empfehlungen wäre eine intelligente Idee. Also eine Empfehlung zur Supplementierung von Vitamin D in größerem Umfang, eine Supplementierung von Vitamin B12 bei Veganern und älteren Menschen und eine Erhöhung des Konsumes von Obst und Gemüse nach WHO-Empfehlung.
Und nicht zu Letzt ein Absehen von sinnlosen, einseitigen Seitenhieben gegen vegan lebende Familien.


– Text: Hella Martin

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