So einfach bastelst du dir einen Hetz-Post gegen Asylbewerber

Bekommen Ihre Wasserstandsmeldungen keine zufriedenstellende Like-Anzahl? Werden Ihre mühsam zusammengeschusterten Einwürfe nicht in der erwünschten Höhe geteilt? Mangelt es Ihnen an Zustimmung in der Kommentatorenspalte? Dann machen Sie doch einfach mit bei der heiter braunen „Asylbewerber müllen Deutschland zu“-Aufklärungskampagne, der neuen Trendsportart für alle Menschen mit dem IQ eines Meerschweinchens.

Müll
„So sieht die Mülltonne vor dem Asylbewerberheim bei Hintertupfing aus!“ – So könnte deine Bildunterschrift unter diesem zufälligen Foto aus dem Internet lauten.


Die Spielregeln sind so mannigfaltig wie einfach, da können Sie sich die auf Ihren Leib zugeschneiderte Vorgehensweise aus einem riesigen Pool heraussuchen. Und keine Angst, wirklich jeder kann hier mitmachen, das Regelwerk wurde sogar extra für Leute entworfen, die beim Essen mit Messer und Gabel immer nur ihr Auge treffen.

Fangen Sie am besten klein an, fotografieren Sie einen beliebigen Bürgersteig vor einem McDonalds-Drive-In, bevor die Müllabfuhr da war und schieben Sie dieses Schlachtfeld einem Asylbewerberheim in die Schuhe, das Sie sich frei ausdenken können. Der Name ist da nämlich völlig egal, das überprüft sowieso niemand. Solange das Schlagwort „Asyl“ im Text vorkommt, können Sie das Ganze auch ruhig nach Lummerland verfrachten, ohne dass Ihr Klientel stutzig wird. Mit so einem Schnappschuss sollten schon bereits um die 100 Likes und 20 Verteilungen drin sein.

Schon sind Sie bereit für Stufe 2, das ist Ihre eigene Mülltonne. Verteilen Sie den Inhalt großzügig in irgendeiner Parkanlage in Ihrer Nähe, und denken Sie sich gleichzeitig eine Geschichte über ein rauschendes Fest aus, das Sie am Vortag akustisch wahrgenommen haben und auf dem Sie nicht einen deutschen Satz identifizieren konnten. Durch diesen Kreativitätsbonus könnten Sie schon in den vierstelligen Like-Bereich vorstoßen.

Jetzt ruft bereits der Profibereich in diesem Wahnsinnshobby. Dafür schmuggeln Sie sich in den Servicebereich eines beliebigen Riesenkonzerts oder einer anderen Großveranstaltung und fotografieren einfach die Halle, nachdem die einheimische Meute von dannen gezogen ist. Rein von der Optik her präsentieren sich solche Locations grundsätzlich wie Dresden 45, fehlt nur noch der empörte „Das ist der Aufenthaltsbereich eines klingonischen Asylbewerberheims. Wie undankbar kann man sein?“-Weckruf und Sie stoßen in Like-Dimensionen vor, die vorher noch keine Amöbe vor Ihnen betreten hat.

Besonders gut kommt es auch, wenn Sie den Container eines Supermarkts für die Nachwelt festhalten. Dort finden sich immer tonnenweise abgelaufene Nahrungsmittel, täglich weggeworfen in der deutschen Überflußgesellschaft. Profi-Tipp: Dekorieren sie das Ganze unbedingt mit irgendwelchem Spielzeug, das gibt einen Empörungsschub von Hastdunichtgesehen. Da braucht es dann nur noch einen mahnenden „SO wird also mit unseren Spenden umgegangen. Deutschland wach auf!“-Hinweis und Sie werden von Verteilungen förmlich erschlagen.

Sollten Sie bei Ihrer Fotosafari übrigens immer nur ein menschliches Auge erwischen, dann sind Sie von der doch recht komplizierten Handhabung einer Kamera überfordert. Diese neumodischen Dinger funktionieren leider nur, wenn man sie in der dafür vorgeschriebenen Richtung benutzt. Allerdings ist das kein Grund zum Verzweifeln, googeln Sie einfach nach „Rio Brasilien Müllkippe“ und veröffentlichen Sie gleich das erste Bild mit den warnenden Worten, dass man dieses Flüchtlingsheim vor lauter Unrat, den die Bewohner 2 Stunden nach ihrer Ankunft verursacht haben, gar nicht mehr sieht. Sie werden massig neue Freundschaften im Kommentarbereich schliessen können, sofern Sie großzügige Abstriche in Sachen korrekte Grammatik, Körperhygiene und eigenständiges Denken machen.

Mit ein bisschen Glück finden Sie sogar ein Asylbewerberheim, in dem die Bewohner tatsächlich ihren Abfall neben die Tonne geworfen oder das Ding überhaupt nicht benutzt haben. Da können Sie dann sogar irgendwelche Echtsheitszertifikate wie nachzuprüfende Hausnummern auf ihrem Schnappschuss verewigen. Denn sicher erzeugt der Durchschnittsdeutsche mehr Abfall als jedes afrikanische Dorf insgesamt und natürlich wären alle Germanen ohne die städtische Müllabfuhr, die wöchentlich hinter ihnen herräumt, bereits in ihrem Plunder erstickt, aber darum geht es ja nicht.

Sie sind der mutige Aufklärer in Sachen Asylmissbrauch, weil es den kaum gibt, greifen Sie nach jedem Strohhalm, und sollten selbst die ausgehen, erzeugen Sie einfach selber Motive. Dabei ist es auch völlig egal, wie unmöglich diese Pseudotatsachen intelligenten Menschen zu vermitteln sind. Sie sind rechts, also ist Ihre Zielgruppe verbindlich minderbemittelt und glaubt alles, was sie glauben will. Worauf warten Sie also noch? Ihre Fans sind besorgte Allesfresser, die nur auf Häppchen von Ihnen warten und dabei nicht einmal nachhaken werden, solange nur ihre Hassattitüde befriedigt wird. Vergessen Sie also auf keinen Fall Ihre Kamera, wenn sie das nächste Mal auf Toilette gehen. Mit dem richtigen Zoom lässt sich selbst dieser Scheiß vor den braunen Karren spannen. Versprochen.


Diese Art von Texten gibt es jetzt übrigens auch als Buch. Wer also das eine oder andere Mal schmunzeln konnte oder sich einfach nur mehr oder weniger gut unterhalten gefühlt hat, kann sich unter diesem Link hier sehr gerne einen 470-Seiten Nachschlag abholen: http://www.book-and-art-affairs.de/


Text: Jens Grote

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Dem bückenden Volke

 

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