Nazi-Terror: „Das Pack“ findet man nicht nur auf der Straße

Jens Grote in „Die groteske Weltanschauung“: Inzwischen gibt es täglich Anschläge von Rechts. Doch zu dieser Pogromstimmung und Situation im Land kam es erst durch eben jene Politiker, die „das Pack“ jetzt vollmundig verurteilen. Und gleichzeitg die Situation für Flüchtlinge noch schlimmer machen.

MerkielTut mir leid, ich kann mich nicht darüber freuen, wenn jemand wie Sigmar Gabriel Heidenau besucht und eine Rede vor dem attackierten Flüchtlingsheim hält. Mich beunruhigen solche Aktionen sogar unglaublich, gerade wenn sie eine positive Resonanz ernten. Warum das so ist, kann ich gerne erläutern, das hat nämlich nichts mit irgendeiner Form von rechten Denken meinerseits zu tun. Im Gegenteil lehne ich diese Heuchelei ab, gerade weil ich links eingestellt bin. Ich möchte die Erklärung meiner Ablehnung mit einem kurzen Ausflug in die politische Vergangenheit Gabriels beginnen. Dieser Mann hat seinen letzten Wahlkampf als SPD-Parteivorsitzender unter anderem mit der Versicherung geführt, dass er auf keinen Fall mit der CDU zusammenarbeiten wird. Für viele Leute in meinem Umfeld war das sogar einer der Hauptgründe für das Kreuz bei der SPD. Nach der Wahl stellte sich die Situation so dar, dass eine Minderheitenregierung aus der SPD, den Grünen und der Linken mit Gabriel als Kanzler möglich gewesen wäre. Das hat dieser Mann aber nicht mal in Erwägung gezogen, weil er lieber direkt sein Wahlversprechen gebrochen und die Große Koalition ins Leben gerufen hat. Sicherlich nach einer Mitgliederbefragung zum Thema, was aber nichts daran ändert, dass der SPD-Wähler ohne Parteiausweis entgegen vollmundiger Versprechen gezielt über den Tisch gezogen und betrogen wurde. In seiner Funktion als Wirtschaftsminister wird Gabriel auch nicht müde, werbewirksam in die Öffentlichkeit zu geben, wie sehr er gegen TTIP und andere Wirtschaftsabkommen ist. Aber auch diese Kampfansagen drehen sich plötzlich um 180 Grad, wenn der Mann zum Beispiel auf dem Wirtschaftsgipfel in Davos spricht. Da heißt es dann plötzlich, dass TTIP natürlich kommen wird und der deutsche Bürger zwar sehr quengelig ist, aber sich auch genauso schnell wieder beruhigt. Es bleibt also festzuhalten, dass Gabriel mehr als ausreichend bewiesen hat, dass er viel redet, wenn der Tag lang ist, aber seine Aussagen auch immer sehr davon abhängig sind, vor welchem Klientel er gerade redet.

Dieser Mann zeigt gerne mal eine klare Kante, das findet er sogar so super, dass er andauernd klare Kanten zeigt, dummerweise aber in alle Richtungen und je nach Tageslaune. Ganz so verwunderlich wäre es also nicht, wenn der Typ demnächst in einem eher rechtsorientierten Umfeld eine Rede darüber hält, dass Deutschland einen Aufnahmestopp braucht und nicht das Sozialamt der Welt sein kann. Stay tuned. Und jeder, der das für übertrieben hält, sollte sich mal allgemein mit der Asylpolitik gerade dieses Mannes befassen. Er ist als Wirtschaftsminister angetreten und hat gleich in einer seiner ersten Reden angekündigt, dass unter ihm die Waffenexporte schrumpfen und auch garantiert nicht in Terrorstaaten erfolgen werden. Das Ende oder doch leider nur die Mitte dieses Lieds ist aktuell, dass im ersten Halbjahr 2015 bereits genau so viele Waffen von Deutschland aus in die Welt verschifft wurden wie im gesamten Jahr 2014 zusammen. Unter der Ära Gabriel haben sich die Exporte also verdoppelt. Unter anderem erfolgten sie in Länder wie Saudi-Arabien, bei denen Amnesty International allein bei Namensnennung bereits einen hektischen Schluckauf bekommt, und die sicher alles sind, nur keine lupenreinen Demokratien. Durch seine Politik befeuert Gabriel also den Flüchtlingsstrom, für den Hauptanteil ist er sogar verantwortlich. Es gibt im Netz zig Statistiken, die zeigen, wie Waffen in Länder fließen und gleichzeitig Menschen aus diesen Ländern fliehen.

Allein diese Tatsache disqualifiziert Gabriel eigentlich schon zu Brandreden gegen „das Pack“, vor allem wenn er selber sich nicht begrifflich einbezieht. Aber das ist ja längst nicht alles. Sigmar Gabriel hat auch für den Eingriff in das Grundgesetz und die Beschneidung des Asylrechts gestimmt. Sobald der Bundespräsident seine Lesebrille wiederfindet und seinen Karl-Adolf unter diesen Beschluss setzt, ist Europa de facto dicht. Denn wenn dieses Gesetz in Kraft tritt, verstößt jeder Flüchtling dagegen, sobald er Schlepperdienste in Anspruch nimmt. Dienste, die seine einzige Chance darstellen, da 1993 als Reaktion auf die Pogrome von Rostock schon einmal das Asylgesetz angepasst wurde und seitdem niemand mehr via Botschaft einen Asylantrag stellen darf. Diese Leute müssen also in Deutschland vorsprechen, das schaffen sie natürlich nur, wenn sie Schlepperboote und -fahrzeuge in Anspruch nehmen, dadurch stehen sie aber auch gleich verbindlich im Abschiebeknast, sobald Herr Gauck mal wieder seine Menschlichkeit verliert. Ich rechne da jeden Tag mit, inzwischen hat der Pastor da ja Übung drin. Der SPD selber ist auch das Hartz4-Gesetz in die Schuhe zu schieben, denn dieser Menschenrechtsverstoß ist made in Pseudo-Sozialdemokratie, abgesegnet und durchgedrückt während einer rot/grünen Regierungsperiode. Und dieses Gesetz hat auch unheimlich viel mit dem Rechtsruck zu tun.

Gerade wurde eine Studie veröffentlicht, die besagt, dass rechtsradikale Menschen nicht zur Bildungselite dieses Lands gehören.

Quelle: Hooligans Gegen Satzbau, Facebook
Quelle: Hooligans Gegen Satzbau, Facebook

Höflich ausgedrückt. Man könnte auch vermerken, dass die meisten der rechten Mitläufer strohdoof sind, was man übrigens auch gut an ihren grammatikalischen Vergewaltigungen im Internet nachvollziehen kann. Wenn man diesen schlichten Menschen durch einen vorne und hinten nicht reichenden Hartz4-Satz und einem zusätzlich schikanierenden Jobcenter die allerletzte Menschenwürde entzieht, dann sind diese Kandidaten natürlich das perfekte Material für rechte Menschenfischer. Viele der kranken Einflüsterungen würden gar nicht auf fruchtbaren Boden fallen, wenn diese Leute nicht mit dem Rücken zur Wand stehen würden und von der Regierung nicht gesellschaftlich an den Rand und darüber hinaus gestoßen worden wären.

Und selbst an dieser Stelle ist die Liste noch nicht zuende, denn irgendeine Umsetzung der markigen Gabriel-Worte ist nicht in Sicht. In Heidenau stürmten hunderte Faschisten ein Flüchtlingsheim, dabei kam es zu zwei lächerlichen Festnahmen, und die zwei Typen wurden bereits wieder auf freien Fuß gesetzt, einen Tag nachdem Gabriel ein härteres Vorgehen gegen Rechts angesagt hat. Ich habe Angst. Tatsächlich auch vor dem „rechten Pack“ auf der Straße, aber bestimmt nicht weniger vor dem „rechten Pack“, das in der GroKo sitzt und dort weiter zündelt. Sei es durch neue Fluchtschikanen oder durch Hofierung der rechten Täter. Die meiste Angst habe ich aber vor dem „Pack“, das sich jetzt tierisch aufregt und Konsequenzen fordert, nur um sich dann damit zufrieden zu geben, wenn Gabriel, Merkel und Co. irgendwo ihr persönliches Phrasenschwein zum platzen bringen, nur um anschließend nach Hause zu fahren und weiter Politik in der exakten Gegenrichtung zu forcieren. Denn dieses „Pack“ wählt dann wieder das „Pack“, was mittlerweile seit Jahrzehnten den Kurs dieses Landes bestimmt und das Steuer auf rechts-konservativ praktisch zementiert hat. Komisch ist daran nur, dass sich tatsächlich jemand über die Ernte wundert, obwohl die Saat wirklich nicht schwer zu erkennen war. Komisch oder eben auch heuchlerisch.


Diese Art von Texten gibt es jetzt übrigens auch als Buch. Wer also das eine oder andere Mal schmunzeln konnte oder sich einfach nur mehr oder weniger gut unterhalten gefühlt hat, kann sich unter diesem Link hier sehr gerne einen 470-Seiten Nachschlag abholen: http://www.book-and-art-affairs.de/


Text: Jens Grote

0.00 avg. rating (0% score) - 0 votes
3 Comments