Deutsche Vs. Flüchtlinge

In seiner Kolumne „Schwer verpetzt!“ sagt unser Autor Thomas Laschyk seine Meinung. Diesmal beschäftigt ihn der tragische Tod von wieder hunderten Flüchtlingen. Weil das sonst kaum einen beschäftigt.

  

Gestern sind wieder 400 Menschen im Mittelmeer ertrunken. Das sind Größenordnungen von der Tragödie von Lampedusa vor bald 1,5 Jahren. Aber den meisten Medien war natürlich der Rücktritt eines Fußballtrainers wichtiger, von ein paar erfrischenden Außnahmen abgesehen, wie der t.a.z.

Aber wenn eine Germanwings-Maschine abstürzt, gibt es Live-Ticker, Kommentare, Analysen, Interviews der Angehörigen, Rekonstruktionen und alles.

Das geistig hohle Pack der NPD-Wähler und Pegida-Freunde hat sich aber natürlich diebisch gefreut, dass 400 Menschen gestorben sind, da diese 400 Menschen in deren Augen den armen, verhungernden Deutschen ja das letzte Essen wegschnappen würden. Armes Deutschland, eines der größten Volkswirtschaften der Welt. Geht daran zugrunde, wenn 400 Kriegsflüchtlinge in Italien an Land gehen würden.

Quelle: Auslenda nehmn uns der Bildunk weg (Facebook)
Quelle: Auslenda nehmn uns der Bildunk weg (Facebook)

Ich weiß nicht einmal, was dieser Idiot mir sagen will, ich verstehe nur Nazi.

Doch Nazis sind nicht unser Problem. Auch gar nicht mal die Presse – Es ist zwar schade, dass für die Auswahl der Schlagzeilen nur wirtschaftliche Aspekte entscheidend sind (Was wird die größte Auflage bringen) – Aber das sind alles nur Symptome. Das Problem ist die Europapolitik.

Italien hat früher regelmäßig alle Flüchtlinge, die nichts mehr außer Hoffnung auf eine Zukunft in Europa hatten, aus dem Mittelmeer gefischt. Denn mit einem Paddelboot oder ein paar dubiosen Schmugglern das Mittelmeer zu überqueren ist nicht gerade DAS Rezept für eine sichere Überreise. 150.000 Menschen hat das Programm „Mare nostrum“ gerettet. Das allein hat Italien ca. 110 Millionen Euro gekostet. Außerdem ist Italien durch die Drittstaatenregelung gezwungen, die Flüchtlinge zu behalten. Diese Regelung besagt, dass jeder Flüchtling in dem europäischen Land bleiben muss, das er als erstes betreten hat. Findet Deutschland ja gut. Weil Deutschland ja auch an den europäischen Grenzen liegt und so.

FlüchtlingeDas heißt also, dass Italien auch allein für die Unterbringung etc. der Flüchtenden zahlen muss. Andere Länder wie Deutschland zahlen für so etwas keinen Cent. Also haben sie Mare nostrum eingestellt, weil 760€ pro geretteten Flüchtling eben zu teuer sind. Der EU-Haushalt hat übrigens 161 Milliarden Euro zur Verfügung. Frontex kostet nur ca. 90 Millionen im Jahr und wird von allen Mitgliedern des Schengenraumes finanziert. Und dieses private Unternehmen soll keine Ertrinkenden retten, nein. Dazu haben sie „weder das Mandat noch die Ressourcen“, so das deutsche Innenministerium. Im Gegenteil, sie haben Wärmebildkameras, Satellitenbilder und ganz viel Hightech um dafür zu sorgen, dass die Flüchtenden eben nicht (lebend) in Europa ankommen.

Bevor wir also 760€ für ein gerettetes Leben zahlen, zahlen wir lieber 600€, damit diese sterben.

Und die EU ist Friedensnobelpreisträger. Und die Nazis regen sich immer noch auf. Und die menschlichen Tragödien interessieren keinen! In was einer Welt leben wir eigentlich?


– Text: Thomas Laschyk, Titelbild: Alina Brost

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