Tierschützer, die Fleisch essen: Die Tierschutz Super-Nanny

Och nein, jetzt bitte keine Tränen. Der Onkel Jens hat das doch gar nicht böse gemeint. Ich weiß, manchmal bin ich schon ein bisschen schroff, aber ich schreibe meine Texte echt nicht, um dich damit zu ärgern. Eigentlich finde ich es sogar toll, dass du Feuerwehrmann werden möchtest. Oh Gott, das war falsch, oder? Shshsh, ich meinte Astronaut!! Lokführer!!!! TIERSCHÜTZER, ICH FINDE ES TOLL, DASS DU TIERSCHÜTZER WERDEN MÖCHTEST!!!!!!!! Herrje, das Thema ist dir echt wichtig, oder? O. k., dann will ich dir gerne nochmal erklären, was ich an deiner Traumerfüllung doof finde.

Tierschutz-Supernanny

 

Das hat nämlich gar nichts mit dir persönlich zu tun, dich habe ich total lieb, na ja, sagen wir so mittel … etwas … eine Grundsympathie ist definitiv vorhanden … meistens … Wie auch immer, komm kurz auf meinen Arm und wir gehen die Sache nochmal durch. Ach du Schande, wir setzen uns doch nebeneinander. Da fordert jetzt gewichtstechnisch leider dein Erwachsenenstatus und meine schlimme Sportallergie ihren Tribut. Ich lege aber meinen Arm um dich, siehst du? Wo ist mein Omnivorer? Wo ist mein Omnivorer? Da isser ja!!! Kutschi-Ku…

Es ist wirklich total prima, dass du alle Tiere gerne hast und sie sogar beschützen willst. Da bin ich auch richtig stolz auf dich. Allerdings entsteht für mich schon ein klitzekleines Problem, wenn du manche Tiere schützt, indem du sie totmachen lässt. Ja, ich weiß, die kommen dann in den Himmel und da geht es allen gut, der Gedanke ist auch irgendwo total nachvollziehbar.

Aber hast du dir schon mal überlegt, dass das Tier dort vielleicht noch gar nicht hin will? Was, jeder will doch in den Himmel? Möchtest du jetzt in diesem Moment sterben und somit dein Paar Flügel entgegen nehmen? Nein, jetzt nicht gleich wieder weinen, das war nur ein Beispiel!!! Aber wenn du da jetzt nicht hin willst, warum sollte ein Tier nicht genauso denken und am liebsten solange leben wie eben möglich?

Genau der gleiche Humbug ist es, dass es Methoden gibt, bei denen die Tiere schön sterben. Leute, die so was behaupten, haben dich total angelogen. Ja genau, die Mama und der Papa. Und Tante Hannelore auch, ja. Mhm, ebenfalls Onkel Werner. Der nette Mann im Supermarkt, von dem du immer eine Scheibe Wurst auf die Hand bekommst, sowieso. Sogar Oma Lotte, ja, KÖNNEN WIR JETZT WEITERMACHEN??? Entschuldigung, der Onkel wollte nicht laut werden, aber das kann echt ausarten. Setz dich wieder und einigen wir uns einfach darauf, dass alle total doofe Lügner sind, die so etwas behaupten, o. k.?

Überleg dir auch hier einfach mal, auf welche Art und Weise du persönlich gerne umgebracht werden würdest. Wie müsste man das anstellen, damit du das toll findest? Das geht gar nicht, weil du den eigenen Tod total blöd findest? Siehst du, wenn die Tiere sprechen könnten, dann würde da auch keins zu Protokoll geben, dass es unbedingt und auf der Stelle schnell hingerichtet werden möchte, oder dass es kaum erwarten kann, endlich ohne Schmerzen seine Existenz auszuhauchen, da es bereits ein so hohes Kindesalter erreicht hat.

Das kannst du jetzt echt auf alle Gebiete übertragen, auf denen du Tiere schützen willst. Versetze dich einfach in die Situation des Tieres, dem es angeblich gut geht, und überlege, ob es dir an seiner Stelle auch gut gehen würde. Wenn das nicht so ist, dann hat man dir schon wieder nicht die Wahrheit gesagt. Richtig, du wirst ganz schön oft belogen, aber so schlimm ist das nicht, denn das sind meistens keine bösen Menschen, sondern nur sehr dumme. Och, das ist jetzt aber süß, und es stimmt natürlich, genau dafür hast du deinen Onkel Jens. Klar drücke ich dich mal, kein Problem.

Und keine Angst, Tiere sollen nicht in deinem Bett schlafen. Sie werden auch bestimmt nicht auf deiner Playstation zocken. Nur „Supernatural“, „Sons of Anarchy“ und „Dr. Who“ möchten sie natürlich ebenfalls gucken, wer will das nicht? Aber ansonsten wollen Tiere einfach keinen Dauerstubenarrest, sind an keinem Aua interessiert und möchten so lange atmen, wie der liebe Gott es will. Genau, der Mann mit dem weißen Bart im Nachthemd. Ja, an der Stelle muss ich auch immer lachen. Jedenfalls verspreche ich dir, dass es gar nicht schlimm wird, wenn du deinen Schutz auf jedes Tier ausweitest und deshalb alle leben lässt. Die meisten Tiere wollen nämlich gar nicht mit dir zusammenleben, WAS ABER NICHT AN DIR LIEGT, shshshshsh, ich habe das unglücklich ausgedrückt. Wer will einen veganen Keks? Weeeer will einen veganen Keks???

Tiere möchten einfach lieber bei ihrer Familie bleiben, das verstehst du doch bestimmt. Deshalb werden die dich nicht allzu oft besuchen kommen. Überhaupt kannst du dich darauf verlassen, dass ich der Erste bin, der sein Grundstück umzäunt, denn wenn ich eins nicht brauche, dann ist das ein Streichelzoo in meinen Gemüsebeeten. Stimmt, im Moment gibt es viel zu viele Tiere, um die alle frei zu lassen, praktischerweise ist das aber die Schuld des Menschen. Wenn der einfach aufhört, Tiere wie wild auf die Erde zu scheißen, dann pendelt sich das Gleichgewicht schnell von selber ein. Ja, ich habe „scheißen“ gesagt, und nein, natürlich sagt man so was nicht, da hast du völlig recht.

Allerdings entgleitet uns das Thema gerade ein bisschen, über die endgültige Befreiung der Tiere unterhalten wir uns doch besser, wenn es so weit ist. Behalte im Moment nur im Hinterkopf, dass so etwas keine Probleme erzeugt, die der Mensch nicht auch mit seiner eigenen Überbevölkerung hat und dass deshalb so oder so Lösungen dafür gefunden werden müssen, die in jedem Ansatz definitiv und oft sogar 1:1 auf die Tiersituation übertragen werden können. O. k., dieses Gesicht beherbergt wohl gerade den so genannten leeren Blick. Weißt du was, vergiss einfach den letzten Absatz, das war jetzt doch die Fortgeschrittenenausgabe, auf die kommen wir erst zurück, wenn du ethisch und moralisch erwachsen geworden bist. Nein, ich fürchte nicht morgen oder übermorgen. Ja, vielleicht nächsten Montag, wir schauen mal.

Auf jeden Fall muss ich schon zugeben, dass ich meine veganen Freunde viel lieber habe als dich. Nein-nein-nein, das ist überhaupt kein Grund für den nächsten Heulkrampf, denn du kannst doch auch jederzeit vegan werden, da ist ja überhaupt nichts Schwieriges dran. Onkel Jens ist echt nicht die hellste Kerze auf der Torte und selbst er hat es geschafft. Da gibt es noch nicht mal einen Wettlauf oder irgendeine Form von Superveggie-Wettbewerb. Es gibt keine perfekten Veganer, wichtig ist dabei nur, dass du in den Spiegel schauen und ohne schlechtes Gewissen sagen kannst, dass du dich ehrlich um Konsequenz bemühst. Hm, was Konsequenz heißt? Äh … nicht nur eine Spongebob-Folge gucken, sondern die komplette Staffel.

Wenn dann irgendwelche Kumpels von dir nicht mehr mit dir spielen wollen, dann ist das ebenfalls etwas Gutes, denn so etwas würden nur Leute tun, die dich sowieso nicht richtig mögen. Glaub mir mal, dass du durch einen veganen Entschluss keinen einzigen echten Freund verlieren würdest, denn die sind immer an dir interessiert, nicht daran, was du auf dem Teller hast.

Du könntest deinen Horizont zwar so sehr erweitern, dass du Handlungsweisen deiner Clique plötzlich verstehst und realistischer beurteilen kannst, das ist mitunter tatsächlich recht gruselig. Dann liegt es aber komplett an dir, ob du deinen besten Freund auch noch in der Variante der denkresistenten, blutgeilen Bestie toll findest oder davon eher abgestoßen bist. Du hast richtig gehört, durch deine vegane Entscheidung können sich Bekannte in Monster verwandeln, das ist ziemlich unprickelnd, aber ich will es dir auch nicht verschweigen.

Allerdings kann ich dir auch versprechen, dass grundlegende Misstöne in Unterhaltungen selten am Veganer liegen. Im Endeffekt ärgerst auch du dich nicht über mich oder andere angeblich gemeine Tierrechtler. Auf die Palme gehst du grundsätzlich nur, weil du genau weißt, was mit den Tieren passiert und wie du selbst zu dieser Behandlung stehst. Wenn du wüsstest, dass ich lüge, dann würdest du mir das sagen und vor allem auch selber glauben, und schon würde sich nicht ein Lüftchen auf deinem Gemütsmeer regen.

Dummerweise ist dir aber absolut klar, dass ich Tatsachen beschreibe, diese Tatsachen magst du nicht und hier sind wir wieder an einem Punkt, für den ich dich total mag. Allerdings ziehst du wieder die falschen Konsequenzen (du brichst sozusagen in der ersten Folge die Serie ab), denn du stellst lieber den Überbringer der unangenehmen Nachrichten in ein schlechtes Licht, als die Auslöser einfach zukünftig zu vermeiden. Ach, Ströpp, das verstehst du jetzt bestimmt auch noch nicht, aber ich finde das ganze Thema so traurig, weil es einfach auf einem Missverständnis mit katastrophalen Auswirkungen beruht, da gehen mir verbal immer wieder die Pferde durch.

Na ja, machen wir für heute einfach an dieser Stelle Schluss. Jetzt finde ich, dass du dir ein veganes Eis verdient hast. Ja natürlich gibt es das. Aber jetzt bist du so schnell aufgesprungen, dass du den armen Regenwurm vor deinen Füßen erwischt hast. Das war zwar ziemlich ungeschickt und sollte in Zukunft auch besser vermieden werden, aber solange du das nicht absichtlich machst, ist das ein Versehen. So etwas würde ich nie verurteilen, immerhin bin ich ein Mensch und somit selber ein einziges kosmisches Versehen.

Ich fand es auf jeden Fall schön, dass wir uns mal zusammengesetzt haben und hoffentlich das eine oder andere Missverständnis zwischen uns bereinigt haben. Aber wem erzähle ich das gerade eigentlich alles, dich habe ich eh nach dem Stichwort „Eis“ geistig verloren, oder? Also gut, dann mal los, Vanille, Himbeere oder Schokolade?


– Text: Jens Grotartig

 

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