„Besorgte Eltern“: Penis und Pegida

Augsburg. Am 17.01 gingen ca. 30 selbsternannte „besorgte Eltern“ auf die Straße. Sie demonstrierten gegen eine „Frühsexualisierung“ von Kindern an den Schulen. Die Gegendemonstration, die etwa viermal so groß war, hielt ihnen Toleranz und Akzeptanz entgegen. Und einen riesigen Penis.

 

Eine Gruppierung, die sich „besorgte Eltern“ nennt hat am Samstag auf dem Augsburger Rathausplatz zu einer Kundgebung und einem Demozug aufgerufen, um gegen die „Frühsexualisierung der Kinder“ an den Schulen zu protestieren. Die russischstämmigen Organisatoren teilten ihre Sorgen davor mit, dass das Thema Sexualität in neuen Lehrplänen Besorgte Bürger stärker in den Vordergrund rücken könnte und sie damit anscheinend ein Problem haben. Die auf den ersten Blick harmlosen Forderungen nach einer „altersgerechten Aufklärung“ entpuppen sich schnell als absurde Vorstellungen vom Sexualunterricht. Die Plakate und auch die Redebeiträge seien „Angstmache“ und „Hetze“, welche auf „falschen Tatsachen“ beruhe, so Christine Kamm, Landtagsabgeordnete von den Grünen. Der Eindruck entsteht, dass den Kindern in Kindergärten Sexspielzeug in die Hand gedrückt werde, obwohl das weder gemacht wird noch in irgendeiner Weise in Planung ist. Aufgrund von verschiedensten Vorwürfen aus der Vergangenheit versichern die Veranstalter des Weiteren öffentlich, dass sie weder gegen eine Aufklärung der Kinder per se seien, noch etwas gegen Homosexuelle oder Transgenderpersonen.

Ein Flyer, den ein Veranstalter ausgab, spricht jedoch noch davon, dass nicht nur eine „Homolobby“ versuche, „eine rechtliche und soziale Gleichstellung, ja Privilegierung aller nicht heterosexuellen Lebensformen“ zu erwirken, sowie eine „sexuelle Umerziehung“ der Kinder zu erreichen, sondern dass durch den Sexualkundeunterricht sogar eine „Pädophilenlobby“ Sex mit Kindern salonfähig machen will. Zu den Herausgebern des Blattes gehört u.a. die „Antigenozidbewegung“, die vor einem bevorstehenden staatlich-organisierten Holocaust an Christen warnt. Auch spricht einer der Veranstalter von „Ideologien“ von „den Mächtigen“, die dadurch erwirken wollen, dass den Eltern der Einfluss auf die Erziehung ihrer Kinder entzogen wird, um staatshörige Bürger zu schaffen. Die vordergründigen Forderungen werden also nach kurzer Recherche mit rechtspopulistischen und homophoben Verschwörungstheorien untermauert. Mehr über die Hintergründe und Ursprünge der Bewegung lassen sich hier finden.

SüßmairAlexander Süßmair von den Linken nennt die Organisatoren „rückwärtsgewandte, rechtsgerichtete Konservative“, die eine „blauäugige“ Weltsicht haben, wenn sie denken, sie könnten in der heutigen Informationsgesellschaft ihren Kindern die sexuelle Aufklärung vorenthalten. Im Gegenteil, eine schulische Aufklärung könnte die Interessen der Kinder in diese Richtung kanalisieren und somit ungewollte Schwangerschaften, aber auch Probleme mit der eigenen Sexualität verhindern. Fritz Effenberger, Bezirksrat der Piraten in Augsburg geht sogar noch weiter in der Einordnung der „besorgen Bürger“: Das sei „der selbe braune Rand“ der Gesellschaft, der auch bei fremdenfeindlichen Bewegungen wie Pegida mitlaufe. Es gäbe enge Verknüpfungen zu „Elsässer und Co.“. Die Rechtsextremisten versuchen auf verschiedensten Wegen, ihren Einfluss in der Mitte der Gesellschaft zu erweitern und das Thema sexuelle Aufklärung sei einer davon. Diese „Spinner“ dürften „natürlich diese Meinung haben“, aber man müsse sie „nicht ernst nehmen“.

 

Der geplante Demozug der „besorgten Eltern“ fiel aus, da die viel größere Zahl der Gegendemonstranten, die aus einem breiten Bündnis aus Grünen, Linken, SPD, Piraten und demBesorgte Eltern Lesben- und Schwulenverband bestanden, jeden Weg blockierten. Für grammatikalisch falsche Rufe wie „Gebt die Kinder Zeit“ (sic) hatten die Gegendemonstranten nur Spott übrig. Zum Höhepunkt der Kundgebung spazierte sogar einer der Demonstranten in einem Penis-Kostüm über den Rathausplatz, um die „besorgten Eltern“ zu verhöhnen. Es gab zwar immer wieder einen verbalen Schlagabtausch zwischen den Demonstrierenden, jedoch verlief alles friedlich. Augsburg hat gezeigt, dass die Kräfte der Vernunft, Toleranz und Weltoffenheit immer noch stärker sind und es bleiben werden.

 


 

– Text & Bilder: Thomas Laschyk

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