Wolfzahnau: Endlich Aufklärung oder noch mehr Verwirrung?

 

Am Sonntag, dem 16. November lud Umweltreferent Reiner Erben zusammen mit Vertretern der Unteren Naturschutzbehörde und des Naturschutzbeirates zu einer Informationsveranstaltung und Führung durch die Wolfzahnau ein. Doch bei den Bürgern, die sich hintergangen und den Naturschutz betrogen fühlten, hinterließ die Aufklärung nur einen faden Beigeschmack. Die Stadt zeigt sich uneinsichtig und von den Protesten nur genervt.

 
„Wir müssen Entscheidungen treffen, die auf den ersten Blick keinen Sinn ergeben“
   
Am Sonntag sollte die Affäre um die Beweidung der Wolfzahnau (Wir berichteten) geklärt werden, deshalb lud Reiner Erben mit einigen Fachleuten und Zuständigen zu einem Referat und einer Führung durch die Wolfzahnau ein, um das Informationsdefizit, das seine Behörde zu verschulden hat, zu beseitigen und alle Fragen und Unklarheiten zu beseitigen. Dies ist nicht gelungen. Erben beendete die Führung u.a. mit den Worten: „Wir müssen Entscheidungen treffen, die auf den ersten Blick keinen Sinn ergeben.“
Wolfzahnau 5Die Erklärungen des Umweltreferenten sowie der Vertreter der unteren Naturschutzbehörde, der Leiterin des Amts für Grünordnung und einiger Naturschutzbeitratsmitglieder warfen mehr Fragen auf, als sie beantworteten. Die Beweidung der Wiese solle aus der Sicht des Naturschutzes die „beste Möglichkeit“ sein, die Wiese zu entwickeln und habe deswegen die bisher übliche Mahd ersetzt. Dies solle die Artenvielfalt steigern. Warum jedoch genau dann Rinder dort in Ganzjahresbeweidung platziert wurden, als die Vegetationszeit der Wiese eigentlich vorbei ist und deshalb sogar vom Veterinäramt angeordnet wurde, die Rinder zuzufüttern, blieb jedoch unklar. Auch nicht ersichtlich ist es, warum die für diese Wiese zu hohe Herdengröße nicht endlich verkleinert wird oder warum sie überhaupt von Beginn an zu hoch war.
Erben erklärt weiterhin, dass die Wiesen der Wolfzahnau sowieso nie hätten betreten werden dürfen, da es sich bei diesen um landwirtschaftlich genutze Flächen handelt. Der Zaun beschütze nun endlich die wirtschaftlichen Interessen, die hinter dieser Wiese stehen. Dass der unwissende Bürger jedoch davon ausgeht, dass eine Wiese in einem Naherholungsgebiet zur Naherholung genutzt werden kann, dafür hatten die Experten kein Verständnis. Außerdem wirft dies die Frage auf, welches denn nun der Hauptzweck der Wolfzahnau sei, der Naturschutz oder die wirtschaftliche Nutzung. Erben argumentiert, dass das Abzäunen und die damit verbundene „Besucherlenkung“ die Natur vor der Zerstörung durch den Menschen bewahrt. Inwieweit das Aufstellen des Zauns, die Errichtung eines Unterstandes, das Erstellen eines Grabens zum Kanal und die Schäden, die eine für diese Weide zu große Rinderherde verursacht keine Zerstörung der Natur darstellt, hat er nicht erklärt. Die Experten wiesen lediglich darauf hin, dass es nunmal bauliche Maßnahmen seien, die in Kauf genommen werden müssen und sich die Natur wieder erholen werde. Von diesen Maßnahmen könne sich die Natur also erholen, von Spaziergängern scheinbar jedoch nicht.
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Angriff ist die beste Verteidigung
      
Auch wurde erklärt, dass bewusst keine Wege ausgewiesen worden sind, damit sich die Stadt nicht um die vorschriftsgemäße Instandhaltung dieser Wege kümmern müsse. An anderer Stelle wurde jedoch den Bürgern vorgeworfen, Stellen der Wolfzahnau zu betreten, die sie nicht hätten betreten dürfen, wovon die Bürger aber selbstverständlicherweise nicht wissen konnten. Wolfzahnau 7Angeblich häuften sich auch Beschwerden über Hundekot in der Wolfzahnau. Anfragen von einigen Hundeschulen, die Stadt möge doch Hundetoiletten aufstellen, lehnte sie jedoch aus Kostengründen ab. Einerseits wurde die Bezäunung und Beweidung spontan 3 Monate früher als geplant begonnen, ohne die Bevölkerung zu informieren, andererseits werden empörte Anfragen und Unverständnis der Bürger als „ungebildet und unhöflich“ bezeichnet. Konsequent wird versucht, die Schuld für etwaige Missstände bei den Besuchern der Wolfzahnau zu suchen und die Tatsachen wurden immer in ein für die Stadt günstiges Licht gerückt, auch wenn sich die Darstellungen widersprechen.
Wolfzahnau 9Auch wurde die Bürgerinitiative „Naturfreunde Wolfzahnau“ indirekt der Heuchelei beschuldigt, da sie sich nun erst gebildet habe und protestiere, obwohl in den Jahren zuvor viel gravierendere Eingriffe in die Wolfzahnau durchgeführt wurden: Das Errichten des Parkplatzes, die Verwendung als Maisfeld oder der gescheiterte Versuch, die Wolfzahnau endlich als Naturschutzgebiet zu erklären, an welchem die dort ansässige Industrie die Verantwortung trug. Dass die Stadt schon Jahrzehnte die Belange des Naturschutzes ignoriert, ist die Schuld der Bürger, welche dagegen hätten protestieren sollen.
  
„Naturschutz ist trial and error“
  
 Die Untere Naturschutzbehörde und der Naturschutzbeirat sprechen sich eindeutig für eine Beweidung aus, da es „allgemein bekannt“ sei, dass dies die beste Behandlung für Magerwiesen sei. Wenn dies allgemein bekannt und selbstverständlich ist, wieso wird dies dann nicht schon seit Jahrzehnten so gehandhabt? Auch mussten die Experten zugeben, dass sie nicht sagen können, welche schützenswerten Tier- und Pflanzenarten eigentlich in der Wolfzahnau existieren. Es wurde kein Gutachten erstellt, an welchem man eine etwaige Verbesserung oder Verschlechterung der Artenvielfalt nachweisen können wird, auch wenn später noch ein „Monitoring“ stattfinden soll. Wolfzahnau 6Auch sieht die zertrampelte, kaum vorhandene Wiese, die durchsetzt mit Maulwurfshügeln ist, für einen Laien nicht unbedingt nach schützenswerter Biodiversität aus, sondern eher nach einem Bolzplatz. „Wenn wir wissen, dass hier viele geschütze Arten vorkommen, […] dann muss das erstmal reichen“, so die Leiterin des Amtes für Gründordnung. Mit dem Hinweis der Fehler bei der Beweidung mit Pferden im Siebentischwald gestanden die Experten jedoch ein, dass man die Konsequenzen nicht genau vorhersagen könne, denn Naturschutz sei nunmal „trial and error“. Eine Aussage, die mit den zuvor gemachten Versicherungen im Widerspruch steht.
  
Abschließend muss ein Bürger, der sich Erklärung und Einsicht von der Stadt versprochen  hat, enttäuscht bleiben. Im Verwirrspiel von Beschlüssen, Beiräten und Gesetzen sowie mit den ständigen Hinweisen auf die Fachkompetenz der Entscheidungsträger war man am Ende genauso schlau wie vorher. Im Wesentlichen wollen die Verantwortlichen keine unfachkundige Kritik mehr hören, der Bürger solle nur Vertrauen haben, dass dies „notwendig“ und „die beste Möglichkeit“ für die Wolfzahnau sei, auch wenn er es nicht nachvollziehen könne und die wichtigsten Fragen offen bleiben.
 
Doch die Darstellung der Stadt ist widersprüchlich und nicht einheitlich. Dies legt sich auch nicht nach den Erklärungen, welche die Experten liefern, welche der Meinung sind, dass alles für einen Fachmann Sinn ergibt, nur eben nicht für Laien. Die Frage drängt sich auf, wieso die Wolfzahnau nicht zum Naturschutzgebiet erklärt wird, Wolfzahnau 8wenn Naturschutz die oberste Priorität sein soll. Es scheint, dass die wirtschaftlichen Interessen und das ganze Geld, welches die Stadt durch die Pacht erhält, mindestens genauso wichtig sind. Vielleicht muss man erst ein Laie sein, um diese ganze Situation neutral von außen betrachten zu können. Denn so wie es aussieht, will die Stadt Abschreibungen beim Naturschutz und der Naherholung zugunsten der wirtschaftlichen Interessen als Erfolg für den Naturschutz verkaufen.
  
  
Wer dagegen protestieren möchte, kann hier eine Petition für den Erhalt der Wolfzahnau unterzeichnen.
 
 

– Fotos & Text: Thomas Laschyk

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