Erinnerung an Lampedusa

 

Seit dem Jahr 2000 sind mehr als 25.000 Schutzsuchende an den aufgerüsteten europäischen Außengrenzen ertrunken, erstickt, verdurstet oder an Erschöpfung gestorben. Angesichts der Tragödie vor Lampedusa zeigten sich viele Politiker betroffen. Doch was hat sich für die Schutz suchenden Menschen geändert?

 

Jetzt ist bekannt geworden: Die Seenotrettungsoperation „Mare Nostrum“, die bisher mehr als 100.000 Menschen gerettet hat, soll ersetzt werden. Die beauftragte europäische Grenzschutzagentur Frontex agiert in einer rechtlichen Grauzone. Flüchtlingsboote sollen im Rahmen von gemeinsamen Frontex-Seeoperationen bereits in internationalen Gewässern und teilweise in den LampedusaTerritorialgewässern von Herkunfts- und Transitstaaten möglichst effizient verfolgt und zurückgedrängt werden. Wie es aussieht, wenn kleine Paddelboote von einer Grenzschutzagentur auf hoher See „umgeleitet“ werden, kann man sich ausmalen. Diese als „Pushback“ bekannte Methode widerspricht dem völkerrechtlichen Grundsatz, der die Rückführung von Personen in Staaten untersagt, in denen ihnen Folter oder andere schwere Menschenrechtsverletzungen drohen. Trotzdem werden schutzsuchende Menschen zurückgedrängt. Über ihre Möglichkeit, überhaupt erst einen Asylantrag in Europa zu stellen, entscheidet letztlich nur der Zufall, denn der Antrag kann nur in Europa gestellt werden. Europa will seine Grenzen aber nicht dem Zufall überlassen. Der Haushalt der Grenzschutzagentur Frontex steigt rasant. Von etwa 35 Millionen Euro im Jahr 2007 verdoppelte er sich 2008 auf 70 Millionen. In diesem Jahr stehen 90 Millionen Euro zur Verfügung. Der Löwenanteil – etwa 35 Millionen – soll für die Operationen an den Seegrenzen verwendet werden. Dieses Geld könnte problemlos in die Unterbringung von Flüchtlingen gesteckt werden. Wir sollten nicht zulassen, dass unsere Menschlichkeit an unseren Staatsgrenzen endet. Wenn es uns nicht egal ist, was mit diesen Menschen geschieht, müssen wir mit Aktionen ein Zeichen setzten für unsere Verantwortung gegenüber allen Mitmenschen.

 

Deshalb wird es am Samstag, den 29.11.2014 auf dem Königsplatz in Augsburg eine Aktion zur Erinnerung an Lampedusa geben. Am 3. Oktober 2013 starben 366 Schutz suchende Menschen vor der italienischen Insel im Mittelmeer. Am Samstag werden sich Menschen in Augsburg gemeinsam an diesen Tag erinnern. Bereits 50 Personen haben sich für einen Flashmob auf dem Augsburger Königsplatz verabredet. Es werden weitere spontane Teilnehmer erwartet. Sie legen sich gemeinsam ab 16:30 mit einer roten Rose auf den Boden. Gesang begleitet die Situation. Einen Tag vor dem ersten Advent, wenn der Christkindlmarkt und der Weihnachtswahn die Innenstadt einnehmen, werden sie am Boden liegend den Menschen gedenken, die auf dem Weg nach Europa gestorben sind. In dem Versuch, ein neues Zuhause zu finden.

 

– Text: Iris und Anita Heckel, Titelbild: Pro Asyl

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