Augsburg macht illegal aus einem Naherholungsgebiet eine Weide – Und erzählt keinem davon

Die Stadt Augsburg hat das Naherholungsgebiet Wolfzahnau bei der MAN verpachtet und bereits seit September befinden sich nun 14 Rinder darauf. Nur hat die Stadt „vergessen“, irgendjemanden daüber zu informieren und die Bürger vor vollendete Tatsachen gesetzt.

 

„Zweck des Landschaftsschutzgebietes Wolfzahnau ist es, die Leistungsfähigkeit des Naturschutzhaushaltes zu gewährleisten sowie den Naturgenuss und die Eigenart des Landschaftsbildes zu erhalten“ steht in der „Verordnung über das Landschaftsschutzgebiet Wolfzahnau“. Die Wolfzahnau, ein fast 80 Hektar großes Naherholungsgebiet zwischen Wertach und Lech und damit mitten in der Stadt, bot vielen Augsburgern die Möglichkeit, ein wenig abseits vom Verkehr die „unberührte“ Natur zu genießen. Doch das ist nun vorbei. Seit dem 18. September sind 5 Hektar der Fläche umzäunt und Rinder weiden darauf. Von „Naturgenuss“ und der „Eigenart des Landschaftsbildes“ ist nicht mehr viel übrig. Doch der Gipfel ist die Tatsache, dass der Umweltausschuss niemanden darüber in Kenntnis setzte. „Nicht in Ordnung“ fand dies auch Umweltreferent Reiner Erben und organisierte kurzfristig eine Infoveranstaltung, die am Dienstag, den 30. September von 14 bis 19 Uhr stattfand. Für die Grünen war dies als Aufklärungsarbeit offenbar ausreichend. Dass ihr sehr eigener Begriff von Aufklärung an einem Werktag und auch noch zur Arbeitszeit der Bürger stattfand, schien sie nicht sonderlich zu stören.

 

Doch wie kam es dazu?

 

Wolfzahnau 2
@Siegfried Zagler, D.A.Z.

Das Naherholungsgebiet musste stets zweimal im Jahr auf Kosten der Stadt gemäht werden, doch scheinbar war dies trotz EU-Gelder, die die Stadt dafür erhält, zu teuer. Der Stadtrat beschloss daraufhin, die Weide zu verpachten und damit sogar noch zusätzliches Geld mit der Fläche zu verdienen. Der Beschluss des Stadtrates sah jedoch vor, dass die Fläche frühestens Anfang 2015 beweidet werden dürfe. Doch nun sei dem Pächter kurzfristig eine Kuhherde zum Kauf angeboten worden und wie die Leiterin des Grünamtes Anette Vedder es ausdrückt, sei hier „Reaktion […] vor Information“ gekommen.

Wie ein Naherholungsgebiet jetzt überhaupt noch als Weidefläche fungieren soll, wird auf der Infoverstaltung erklärt: Wenn die Rinder das Gras fressen, können Kleintiere besser fliehen als bei der Mahd. Außerdem trügen die Rinder zur Bereicherung des Landschaftsbildes bei. Ob sich ein Naturfreund unter einem Ausflug in ein Nahrholungsgebiet das Ablaufen eines Zauns, hinter welchem Rinder grasen vorstellt, bleibt fraglich. Die Regierung bezeichnet dies jedoch als „Besucherlenkung“ und hofft mit diesem Euphemismus die aufgebrachten Stimmen zufriedenstellen zu können.

Laut Ausschuss könne man das Gebiet sowieso besser schützen, wenn man es umzäune. Das mag durchaus stimmen, doch wieso dann unbedingt Rinder in diesen Zaun hinein sollten, erschließt sich dem Normalbürger nicht. Außerdem kämen zu viele Hundebesitzer in das Naherholungsgebiet, was vom Ausschuss wohl kritisch gesehen wird. Wie jedoch ein einmalig vorbeilaufender Hund die Natur mehr zerstören könnte als ein dort eingezäuntes Rind, wird allerdings nicht erläutert.

 

Und jetzt?

 

Wolfzahnau 3
@Siegfried Zagler, D.A.Z.

Ein wenig ironisch ist es schon, wenn man bedenkt: Die Wolfzahnau hat über die Jahrzehnte hinweg jeglichen Kommerzialisierungsversuchen widerstanden; mal sollte sie abgeholzt werden, mal als Gewerbegebiet umgestaltet werden. Und kaum hat die Stadt einen grünen Umweltreferenten, wird das Naherholungsgebiet zur gewerblich genutzten Fläche. Im Abschlussbericht heißt es: „Das Amt für Grünordnung setzt daher neben der Weidennutzung auf die Umsetzung eines Konzeptes zur Besucherlenkung, wie es bereits durch das Arten- und Bioschutzprogramm für die Wolfzahnau dringend empfohlen wurde. Die Untere Naturschutzbehörde wird das Beweidungsprojekt weiterhin begleiten und dem Umweltausschuss in regelmäßigen Abständen berichten.“

Trotz dieser Euphemismen und beschönigenden Worte ist eines jedoch Tatsache: Die Stadt und insbesondere das grüne Umweltreferat hat ein Naherholungsgebiet unter fadenscheiniger Begründung verkauft – und war auch noch so dreist, niemanden darüber vorher zu informieren. Wie heißt es so schön? Um Vergebung zu bitten ist leichter als um Erlaubnis zu fragen.

 

Doch einige Bürger wollen sich nicht hintergehen und sich erst Recht nicht das Naherholungsgebiet wegnehmen lassen. Ein paar Hundeschulen besuchten regelmäßig die Wolfzahnau,  um den Hunden ihren sicheren und wohlverdienten Auslauf zu ermöglichen, ohne dafür weit aus der Stadt herausfahren zu müssen und bereiten jetzt eine Verwaltungsklage vor. Außerdem sammeln sie Unterschriften für eine Petition gegen diesen Missbrauch der Wolfzahnau und gegen diese Farce des Umweltausschusses. Eine Bürgerinitiative wird ebenfalls in Erwägung gezogen.

 

Am Sonntag, den 16.11. gab das Umweltreferat eine Führung durch die Wolfzahnau, die Analyse dazu finden Sie hier.

 

Wer die Bürgerinitiative unterstützen möchte, kann hier https://www.openpetition.de/petition/online/fuer-den-erhalt-der-wolfzahnau unterschreiben. Außerdem kann man das Amt für Gründordnung kontaktieren und sich persönlich beschweren: 0821/324-6042 und -6044.

 


– Text: Thomas Laschyk

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