Wider den Populismus: Ausländerkriminalität

Unreflektierte, fehlinformierte und dazu äußerst gefährliche Parolen ziehen neuerdings durchs Land. Mit Parteien wie der AfD und Hetzern wie Sarrazin oder Pirinçci scheint der Rechtspopulismus in Deutschland wieder salonfähig geworden zu sein. Die Ängste der Menschen werden hierbei mit fingierten Feindbildern gefüttert, um daraus schnelles Kapital und Wählerstimmen heraus zu schlagen. Die darin propagierten Inhalte werden auf derart simple Kausalketten heruntergebrochen, dass eine differenzierte Sicht auf die Dinge kaum möglich wird. Um diesen Tendenzen entgegen zu wirken, wird sich der Volksverpetzer mit der Serie “Wider den Populismus” der hetzerischen Parolen annehmen, um populistisch formulierte Argumente mit Hilfe von Fakten zu entkräften.

 

Ausländerkriminalität

Ausländerkriminalität

Einen wesentlichen Teil des Rechtspopulismus macht der Ausländerhass und Xenophobie aus. Da die Rassisten in unserer Gesellschaft nicht so offen rassistisch sein können, wie sie es gerne wären, versuchen sie scheinbar akzeptiertere Wege zu gehen, um Menschen mit Migrationshintergrund und Menschen nicht-deutscher Staatsbürgerschaft zu diskriminieren und zu vertreiben. Einer dieser Wege ist zu behaupten, dass „Ausländer“ pauschal kriminell seien und parallel dazu ihre Ausweisung zu fordern.

 

„Staatsangehörigkeit“ oder „Ethnie“ sind für die Erklärung von Kriminalität bedeutungslos

 

Rechtspopulisten argumentieren gerne mit Statistiken, welche einen prozentual höheren Anteil an Straftaten bei Menschen mit Migrationshintergrund und Menschen nicht-deutscher Staatsbürgerschaft tatsächlich belegen (Ungefähr 20% Straftaten gegenüber ungefähr 9% Ausländeranteil an der Gesamtbevölkerung). Doch von diesen Zahlen gleich monokausal auf eine Neigung nicht-deutscher Personen zum Begehen von Straftaten zu schließen ist zwar lächerlich, wird jedoch getan. Eben weil Populisten sich die Welt einfacher machen wollen, als sie ist.

Diese höhere Prozentzahl ergibt sich aus verschiedensten Faktoren: Zum einen machen die Statistiken keinen Unterschied zwischen kriminell Auffälligen mit Wohnsitz in Deutschland und Menschen, die nur vorübergehend im Land sind. Touristen und insbesondere Angehörige von organisiertem Verbrechen sind hier zu nennen, welche ein Viertel bis ein Drittel aller dieser Straftaten ausmachen. Außerdem ist darin auch Internetkriminalität enthalten, welche natürlich auch von ausländischen Servern aus verübt werden kann.

Ferner gibt es Straftaten, die ein deutscher Staatsbürger gar nicht begehen kann oder muss. Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz, das Asylverfahrensgesetz oder das Freizügigkeitsgesetz/EU können selbstverständlich nur von „Ausländern“ begangen werden. Außerdem werden viele Urkundenfälschungen vorgenommen, was mit dem Wunsch zusammen hängt, sich eine Basis für einen Aufenthalt in Deutschland zu verschaffen.

Des Weiteren muss man berücksichtigen, dass nicht jeder Tatverdacht bestätigt wird und nicht jede Tat angezeigt. Eben aufgrund von rassistischen Vorurteilen werden prozentual mehr Menschen mit Migrationshintergrund verdächtigt und angezeigt. Auch hier will der Rassismus ein Problem lösen, das er selbst verursacht hat.

Und letztendlich ist es selbstverständlich so, dass Menschen aus einkommensschwachen oder bildungsfernen Schichten grundsätzlich zu einer höheren Kriminalität neigen. Dies ist ebenfalls bei Deutschen so, jedoch ist unter dieser Bevölkerungsgruppe eben der Ausländeranteil größer, ergo erhöht sich statistisch gesehen natürlich auch der Anteil der Straftaten unter den „Ausländern.“

Und nur als Ergänzung, welche eigentlich selbstverständlich sein sollte, jedoch aufgrund des sozialen Klischees des „Ausländers“ wohl zumeist in Vergessenheit gerät, sei hinzugefügt, dass zu der sozial konstruierten Gruppe der „Ausländer“ natürlich auch Menschen aus der EU (wie zum Beispiel Österreich oder Großbritannien) oder Nordamerika zählen, und nicht nur die zu meist genannten Ethnien wie Türken oder Syrier oder sonst irgendwelche ausgemachte „Typen“.

 

Es ist nicht korrekt, eine sozial konstruierte und keineswegs homogene Gruppe wie die „Ausländer“ pauschal als „kriminell“ zu beschreiben

 

Das „Berliner Forum Gewaltprävention“ kommt deshalb zu dem Schluss, dass es „keinen ernstzunehmenden Zweifel mehr [gibt], dass die Merkmale „Staatsangehörigkeit“ oder „Ethnie“ für die Erklärung von Kriminalität bedeutungslos sind. […] Für die Annahme, dass dies eine Ursache für Kriminalität sein sollte, existiert kein einziger triftiger Grund.“

Christian Walberg, Kriminologe, erstellte ein Gutachten für den Mediendienst Integration über Migration und Jugenddelinquenz und kam zu dem Ergebnis, dass Migrationskonstellationen so vielfältig seien, dass es wissenschaftlich gesehen nicht korrekt ist, eine sozial konstruierte und keineswegs homogene Gruppe wie „die Ausländer“ pauschal als „kriminell“ zu beschreiben. Er stellt fest, dass „erwachsene Einwanderer eher nicht vermehrt durch Straftaten auffallen“ und dass in Konflikten Jugendliche mit Migrationshintergrund öfter angezeigt werden als ihre deutschen Altergenossen. Meistens eben aus Rassismus, was wieder einmal zeigt, dass Rassismus sich selbst bestätigt.

Manuel Eisner resümiert hierzu: „[Es scheint], als müßten wir zum Verständnis der Kriminalitätsproblematik bei immigrierten Minderheiten von einer komplexen Wechselwirkung zwischen gesellschaftlichen Dynamiken im Herkunftsland, spezifischen Mustern der Migration selbst und den neu entstehenden Lebensumständen im Gastland ausgehen.“

 

Wie man sieht ist es keine Eigenschaft ausschließlich deutscher Staatsangehöriger, einen geringeren Drang zum Verüben von Straftaten zu verspüren. Eine statistisch höhere Ausländerkriminalität hängt wie immer mit multikausalen Umständen zusammen und ist nicht selten direkte Folge von Rassismus. So kommt es, dass Rassismus und eben solche populistischen Hetzreden Menschen mit Migrationshintergrund unter Generalverdacht stellen und deshalb öfter angezeigt werden als in Wahrheit Straftaten begangen worden sind. Wenn sich das dann in den Statistiken niederschlägt, ist es schon zynisch, den Opfern die Schuld zu geben. Hier spielt wohl ein weiteres Mal das psychologische Phänomen des „blaming the victim“ eine Rolle, wie so oft im Rassismus und Rechtspopulismus.

 

Quellen: Studie Berliner Forum Gewaltprävention

Eisner, Manuel: 1997, Das Ende der zivilisierten Stadt? Die Auswirkungen von Modernisierung und urbaner Krise auf Gewaltdelinquenz. Frankfurt/New York.

Statistisches Bundesamt


Text: Thomas Laschyk, Titelbild: Alina Brost

 

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