Wider den Populismus: Gutmenschen, Moralapostel & Weltverbesserer

 

Der Volksverpetzer hat sich bisher in der Reihe „Wider den Populismus“ mit Wahlkampfparolen rechtspopulistischer Parteien wie der NPD oder der AfD beschäftigt, welche sich aufgrund ihrer einfachen Schwarz-Weiß-Macherei zur Zeit großer Beliebtheit erfreuen. In diesem Teil wollen wir uns mit einer Form populistischer Argumente beschäftigen, welche nicht nur bei Parteien Anwendung finden, sondern ein (leider) beliebtes rhetorisches Mittel darstellt: Die Bezeichnung des Diskussionspartners als Gutmenschen, Weltverbesserer, Moralapostel oder Tugendterroristen. Man spricht von Moralkeulen und von „Politischer Korrektheit“, welche diese Diskussionspartner oder Feindbilder nutzen. Was hat es damit auf sich?

 

Gutmensch

Der Begriff „Gutmensch“ wurde 2011 auf den zweiten Platz des Unwort des Jahres gewählt. [Edit 12.01.2016: Und 2015 auf Platz 1] Die Jury begründete dies folgendermaßen: „Insbesondere in Internet-Foren wird das ethische Ideal des ‚guten Menschen‘ in hämischer Weise aufgegriffen, um Andersdenkende pauschal und ohne Ansehung ihrer Argumente zu diffamieren und als naiv abzuqualifizieren.“ Gleiches trifft auf alle Begriffe dieser Kategorie zu, welche bloße Polemik darstellen ohne wirklich Bezug auf inhaltliche Punkte zu nehmen. Populisten verwenden diese Begriffe als Parolen, um Menschen zu diffamieren und abzuwerten, welche einen (von der eigenen Position abweichenden) besseren politischen oder ethischen Standpunkt einnehmen, oder wie die Jury des Unwort des Jahres es formuliert hat: Ein Ideal vertreten. Impliziert wird dabei, dass diese meist von der Gesellschaft als positiv bewerteten Einstellungen („Gut“mensch, Welt“verbesserer“, „Moral“apostel) eben nicht zu befürworten seien, sondern eine naive Weltsicht voraussetzen. Für einen Diskurs ist diese Betrachtung, ob nun wahr oder falsch, jedoch völlig irrelevant, da sie den Fokus von dem Diskussionsgegenstand auf den Diskutierenden lenkt und ihn diskreditieren will, welches jedoch selbstverständlich keinerlei Aussage über die Argumente machen kann. Dieser Sophismus nennt sich „argumentum ad hominem.“ Das Ironische hierbei ist, dass man besagte Menschen, welche „gut“ sind und die Welt „verbessern“ wollen schlecht redet, weil sie einen der eigenen Wahrnehmung nach selbst schlecht reden. Und zwar durch einen indirekten Vorwurf oder als gutes Vorbild. Es wird einfach der Versuch unternommen, durch Herabwertung des ethisch besser positionierten Gegenübers den eigenen Standpunkt zu verbessern. Dass dies den eigenen Standpunkt jedoch nicht berührt, ist wohl offensichtlich.

 

Diese Begriffe sagen mehr über jene aus, die sie verwenden, als über die, an die sie gerichtet sind

 

Doch auch völlig unabhängig vom argumentum ad hominem ist es schwer vorstellbar, wie ein guter Mensch oder jemand, der die Welt zu einem besseren Ort machen will, schlecht sein soll. Wieso soll jemand, der ausnahmsweise einmal nicht nur an sich selbst denkt, der sich für Grundrechte, soziale Gerechtigkeit, die Umwelt oder für Tiere einsetzt, verachtenswert und lächerlich sein? Die Haltung hinter diesen Vorwürfen ist jene, dass man diesen „Gutmenschen“ vorwirft, sich für „etwas Besseres“ zu halten. Meistens sucht man dann den bekannten Splitter im Auge, um alles als Heuchelei zu entlarven. Man versucht um jeden Preis hinter den Taten nicht guten Willen oder konsequente Ethik zu sehen, sondern Naivität, Geltungssucht, Intoleranz, Inkonsequenz oder Selbstgefälligkeit. Und da kommen solche Worte praktischerweise sehr gelegen, die dies alles – ganz populistisch eben – komplett abdecken.

Die Verwender solche Begriffe wollen in den meisten Fällen einfach nur von ihren eigenen Fehlern ablenken, die sie meistens gar nicht zugeben wollen. Denn wenn die porträtierten Strohmänner ebenfalls moralisch fehlbar sind, dann müssen sie sich und ihr Weltbild nicht mehr ändern. An dieser Stelle würde man dann auch gerne fragen: Wenn die einen Gutmenschen sind, was sind dann diejenigen, die diese Wörter verwenden? Schlechtmenschen? Hat unsere Gesellschaft, wenn „Weltverbesserer“ und „Gutmensch“ Schimpfwörter sind, nicht ein gewaltiges Problem? Man sollte mit solchen Begriffen überaus vorsichtig sein, denn sie verkommen zum Blankoscheck zum unmoralischen Handeln.

Egal ob Atomkraftgegner, Umweltaktivist, Tierrechtler, Rassismusgegner oder Verteidiger der Homosexualität – Diese Menschen wollen nichts weiter, als die Welt zu einem besseren Ort zu machen, sie setzen sich für die Probleme der Welt ein. Und wer sich dadurch angegriffen fühlt, sollte sich zuerst Gedanken über seine eigene Haltung machen.

 

– Text: Thomas Laschyk, Titelbild: Alina Brost

 

Weitere Artikel aus der Reihe „Wider den Populismus“:

Islamisierung (Teil 1)

Islamisierung (Teil 2)

Sozialschmarotzer Teil 1 (Arbeitslose und Hart IV)

Sozialschmarotzer Teil 2 (Asylbewerber)

Chemtrails

Die Weltverschwörung

Die EU ist an allem Schuld

Ausländerkriminalität

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